Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen
Nichts hat einen Anspruch darauf, ein Ziel der Liebe und Verehrung zu sein außer Allah, Muhammad ist der Gesandte Allahs.
Muslime die an den Imam Mahdi und Verheißenen Messias,,
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad Qadiani (as), glauben.

Nachdem ich den Charakter und die verschiedenen Arten des Zikr beleuchtet habe, fahre ich nun damit fort, die notwendigen Vorkehrungen und geeigneten Zeiten für das Verrichten des Zikr zu erläutern

Notwendige Vorkehrungen für das Zikr

1.
Der Heilige Prophet(saw) hat uns angewiesen, das Zikr nicht bis zur Erschöpfung auszudehnen.

2.
Beschäftigen sie sich nicht mit dem Zikr, wenn Sie gedanklich unruhig sind. Zu versuchen, das Zikr während einer wichtigen Beschäftigung zu vollziehen, ist nicht empfehlenswert. Die Anstrengung wäre nur halbherzig und respektlos gegenüber den Wörtern Gottes; es würde als Sünde gezählt werden.

Nochmals: Vollziehen Sie das Zikr kurz und mit voller Konzentration.

Einst, als der Heilige Prophet(saw) nachhause kam, war Hadhrat Ayesha(ra) mit einer Frau in einem Gespräch verwickelt. Hadhrat Ayesha(ra) erzählte dem Heiligen Prophet(saw), dass die Frau Stunden im Gebet verbrachte. Der Heilige Prophet(saw) antwortete:

„Es ist nicht verdienstvoll, stundenlang das Gebet in solche Extreme zu treiben. Allah ist mit dem Gottesdienst zufrieden, welches regelmäßig vollzogen wird. Übermaß an Gebet ermüdet Allah nicht, aber den Betenden. Sein Gebet wird dann ohne Eifer und guten Geist vollzogen und bleibt verdienstlos. Jemand, der das Maß überschreitet, bringt Kummer über sich.“ (Mishkat, Kitab ul Iman)

Hadhrat Abdullah bin Umar bin Aus(ra) war ein gesunder Mann. Er betete die ganze Nacht und fastete am Tage und rezitierte den ganzen Heiligen Qur-ân an nur einem Tag. Als der Heilige Prophet(saw) davon hörte, sagte er:

„Dies ist falsch. Bete nur ein sechstel, ein drittel oder höchstens die halbe Nacht. Faste jeden zweiten Tag. Beende die ganze Rezitation des Heiligen Qur-ân in nicht weniger als drei Tagen.“ (Bukhari, Kitab ul Saum)

Abdullah bin Umar bin Aus(ra) bat um Erlaubnis für mehr, bekam sie aber nicht. Er versprach dann, das erlaubte Maximum zu halten und hielt sein Versprechen für eine lange Zeit, doch im Alter bedauerte er es, sich nicht noch weitere Zugeständnisse zunutze gemacht zu haben. Alles, was in Extreme getrieben wird, bringt Probleme. Zu viel gutes Essen belastet den Magen. Ähnlich bringt ein Übermaß an Zikr Ermüdung und Abneigung. Erhöhen Sie nach und nach die Anforderungen und beschränken Sie sich auf ihre Fähigkeiten.

3.
Wenn Sie anfänglich Konzentrationsschwierigkeiten haben, bleiben Sie weiterhin standhaft und erfüllen Sie ihr Pensum trotz satanistischer Einflüsse. Mit energischer Entschlossenheit können Sie ihre Schwäche besiegen.

Der berühmte Rechtsanwalt Tacon war einmal dabei, eine Angelegenheit zu verteidigen. Der gegnerische Rechtsanwalt wand bei dieser Angelegenheit, befürchtend, dass Tacon gewinnen würde, folgende Strategie an. Er sprach zum Richter:

„Tacon behauptet, er würde unabhängig von der Angelegenheit, von jedem Richter das von ihm angestrebte Urteil erhalten.“

Der Richter nahm sich daraufhin vor, nicht auf Tacon zu hören. Als die Verhandlung begann, lehnte der Richter jeden Einspruch ab, den Tacon erhob. Schließlich gab er der anderen Partei recht. Schlussfolgernd kann gesagt werden, dass niemand einen Mann beeinflussen kann, der sich fest vorgenommen hat, sich nicht beeinflussen zu lassen. Nehmen Sie sich in der Anfangsphase der Aneignung der Gewohnheit das Zikr zu verrichten fest vor, alle äußerlichen Einflüsse abzuwenden.

4.
Vollziehen Sie das Zikr nicht, wenn Sie sich körperlich nicht wohl fühlen.

5.
Akzeptieren Sie frohgemut, was immer Sie auch gewährt bekommen. Auch wenn Sie anfänglich noch Konzentrationsschwierigkeiten haben, wird eine Zeit kommen, in der Sie die Angewohnheit des Zikr wohl entfaltet haben werden.

6.
Vollziehen Sie Zikr in Demut und Gottesfurcht. Auch wenn Sie anfänglich keinen demütigen Zustand erreichen können, simulieren Sie einen entsprechenden Gesichtsausdruck; die erwünschte Geisteshaltung wird sich dann von selbst ergeben. Es passiert oft, dass sich jemand ein Verhalten nach und nach aneignet, welches er sich künstlich aufgesetzt hat. Wenn Sie Demut und Weinen simulieren, wird es sich bald ergeben, dass sie auch eine Demut im Geiste entwickeln.

Einer Erzählung nach hat es einen sehr barmherzigen Professor gegeben, der später sehr grausam geworden ist. Dies ist folgendermaßen passiert. Entsprechend seiner milden Natur erlitt er eines Tages einen Verlust und entschloss sich daraufhin, hart zu sein. Auf diese Weise eignete er sich ein strenges Verhalten an, obwohl er tief im Inneren immer noch barmherzig war. Nach und nach fasste diese Härte in seinem Charakter Wurzeln. Der Professor wurde durch seine Verstellung immer hartherziger.

Indes, dieses Prinzip kann auch zum Guten eingesetzt werden. Am ersten Tag mag die Demut nur für einen kurzen Moment aufflackern, am zweiten wird sie aber länger halten. Regelmäßig geübt, werden sich die nicht mehr nachlassenden Anstrengungen bald sehr eindeutig zeigen.

Es gibt noch andere grundsätzliche Punkte, die angesprochen werden müssen.

Vollziehen Sie das Zikr, außer in einigen Umständen, wo es den Hadith nach erlaubt ist, nicht laut. Es kann Heuchelei verursachen und die Aufmerksamkeit anderer vom Gedenken Allahs oder dem Verrichten des Salât ablenken.

Denken Sie daran, dass neue Praktiken schwer anzunehmen sind. Sich an sie zu gewöhnen, erfordert seine Zeit. Viele Leute beschweren sich darüber, dass sie ihr Herz nicht in das Zikr vertiefen können. Indes, glauben Sie, dass jemand dazu in der Lage wäre, ein neues Handwerk sich innerhalb nur eines Tages anzueignen? Ganz und gar nicht! Es erfordert Zeit und Geduld. Lassen Sie sich daher nicht entmutigen, wenn es ihnen anfänglich schwer fallen sollte. Sie werden sich daran nach und nach gewöhnen. Die einzige Bedingung hier ist Standhaftigkeit.

Manche sagen, dass Sie es genießen, das Zikr zu vollziehen. Sie sollten keinen Genuss im Zikr suchen, sondern es als Anbetung vollziehen, wie es sich auch gehört. Anbetung wird nur dann akzeptiert, wenn es mit der entsprechenden Absicht vollzogen wird.

Manche sagen, dass sie einige Tage lang kein Interesse für das Zikr aufbringen können, aber danach wieder anfangen, sich dafür zu interessieren. Ich rate jenen: Seien sie nicht entmutigt, das ist eine vollkommen normale Reaktion. Einst kam ein Gefährte zum Heiligen Propheten(saw) und sagte:

„O mein Herr, ich bin ein Heuchler.“

Er antwortete:

„Nein, du bist ein Muslim.“

Der Gefährte gestand:

„Wenn ich zu Ihnen komme, könnte ich den Himmel und die Erde beschwören, aber wenn ich zurückkehre, verliere ich diesen Geist.“

Er antwortete:

„Würdest du die ganze Zeit über in solch einem Zustand verbleiben, würdest du bald sterben.“

Immer im gleichen Zustand zu verharren, erstickt den Geist des Fortschritts. Manchmal hebt Gott der Allmächtige jemanden von seinem wahren Status herunter, manchmal lässt Er ihn aber einen höheren Status genießen, damit er dazu motiviert wird, diesen ständig zu erhalten.

Der Mangel an Interesse kann also sowohl nützlich als auch gefährlich sein. Der Unterschied zwischen beiden kann festgelegt werden. Man nehme an, es gebe Stufen des Maßes am Interesse, das Zikr zu verrichten; Stufe Null bedeutete die totale Abwesenheit von Interesse, Stufe Eins, Zwei, Drei, Vier und Fünf zeigten ein stetig wachsendes Interesse an. Befinden Sie sich auf Stufe Zwei und Ihr Mangel am Interesse fällt nicht unter Stufe Eins, dann ist es positiv zu bewerten. Auf Stufe Drei ist es vorteilhaft, wenn Sie nicht unter Stufe Zwei fallen. Bringt es Sie aber auf die Stufe Eins oder Null herunter, so sollten Sie darum besorgt sein, zusätzliche Mühen aufzubringen, um Ihren Stand zu erhalten.

Angemessene Zeiten für das Zikr

Wie ich vorher bereits erwähnte, sagt der Gott der Allmächtige:

„Und wenn ihr das Gebet beendet habt, dann gedenket Allahs im Stehen, Sitzen und wenn ihr auf eurer Seite liegt.“ (4:104)

Eine wichtige Frage kommt auf: Welches sind die rechten Zeiten für das Zikr? In einem gewissen Sinne sollte Allahs die ganze Zeit über gedenkt werden.

Hadhrat Ayesha(ra) berichtet:

Der Heilige Prophet(saw) Allahs pflegte die ganze Zeit über das Gedenken Allahs. (Tirmidhi, Kitab ul Dawad)

Bestimmte Zeiten sind aber auch durch den Heiligen Qur-ân festgelegt worden. Zum Beispiel heißt es:

O die ihr glaub! Gedenket Allahs in häufigem Gedenken; und lobpreiset Ihn morgens und abends.“ (33:42-43)

Die in diesem Vers festgelegten Zeiten sind sehr wichtig. Bukra bedeutet auf Arabisch die Zeit vom Anbruch der Morgendämmerung bis zum Sonnenaufgang. In anderen Wörtern sollte Allahs vom Fadjr-Gebet bis zum Sonnenaufgang gedenkt werden. Aseel ist die andere, für das Zikr festgelegte Zeit. Sie geht vom späten Abendgebet (Asr) bis zum Sonnenuntergang. Gott der Allmächtige sagt:

„Ertrage denn geduldig, was sie sagen und lobpreise deinen Herrn vor Aufgang der Sonne und vor ihrem Untergang und verherrliche (Ihn) in den Stunden der Nacht und an den Enden des Tages, auf dass du wahre Glückseligkeit finden mögest.“ (20:131)

Dieser Vers definiert drei zusätzliche Zeiten für das Gedenken Allahs: Die Zeit nach dem Sonnenaufgang und den ersten und letzten Teil der Nacht.

Die sechste Zeit für das Gedenken Allahs ist unmittelbar nach jedem vorgeschriebenen Gebet. Der Heilige Prophet(saw) war sehr gewissenhaft, wenn es um das Zikr zu dieser Zeit ging. Es ist seine Sunnah (Tradition), zu dieser Zeit das Zikr zu verrichten. Hadhrat Ibn-i Abbas(ra) sagt, dass die sich zum Gebet verspäteten Gefährten am folgenden Gebet den Abschluss des Ritualgebets erkannten:

„Du bist der Frieden und der Frieden ist von Dir. Erhaben bist Du, O Besitzer der Majestät und erhabener Position.“

Die andere Form des Zikr nach den Gebeten besteht aus der Rezitation von:

Subhan-Allah, das heißt, Heilig ist Allah

Alhamdolillah, das heißt, Aller Preis gebührt Allah

Allaho Akhbar, das heißt, Allah ist der Größte

Es gibt einige Überlieferungen über dieses Zikr. Am besten ist es, wenn man den ersten Satz 33 mal, dann den zweiten Satz 33 mal und schließlich den letzten Satz 34 mal rezitiert. (Tirmidhi, Kitab ul Dawad)

Die Zeit nach den Gebeten birgt große Segnungen, wenn das Zikr vollzogen wird, und sollte deswegen vollständig genutzt werden. Einige Leute mögen den Eindruck haben, dass weder ich noch Hadhrat Khalifatul Masih I(1) dieses Zikr vollzogen haben. Das ist falsch. Ich pflege es zu verrichten, genau so wie Hadhrat Khalifatul Masih I es zu verrichten pflegte. Allerdings tat weder er es laut noch tue ich es. Auch Sie sollten diese Gewohnheit annehmen.

1 Der erste Nachfolger, also Kalif des Verheißenen Messias(as) des Islam, Hadhrat Maulvi Hakeem Nuruddin(ra) (Anm.d.Ü.).