Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen
Nichts hat einen Anspruch darauf, ein Ziel der Liebe und Verehrung zu sein außer Allah, Muhammad ist der Gesandte Allahs.
Muslime die an den Imam Mahdi und Verheißenen Messias,,
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad Qadiani (as), glauben.

In unserer Gemeinde ist ein allgemeines Missverständnis in Bezug auf das Zikr vorhanden. Da es dazu führt, das Zikr zu vernachlässigen, will ich dieses Missverständnis beseitigen. Der Verheissene Messias(as) kritisierte die Sufis (die sogenannten Ergebenen) seiner Zeit, die viele Neuerungen in den Islam einbrachten. Er wies darauf hin, dass deren papageienartiges Wiederholen von verschiedenen Versen des Zikr eitel sei; vielmehr sei die Zeit gekommen, den Islam vor den Angriffen seiner Feinde zu schützen. Der Verheissene Messias(as) kritisierte sie – und diese Kritik war in der Tat berechtigt – , einige Ahmadis aber haben dies falsch verstanden. Die von vielen gezogene Schlussfolgerung, dass es nicht von Nutzen sei, abgeschieden von der Außenwelt Allahs zu gedenken, ist absolut falsch.

Alle Formen des Zikr haben den Sinn, Allah anzubeten und seinen Namen zu preisen. Der Verheissene Messias(as) kritisierte diejenigen, die zwar in ihren eigenen vier Wänden die Herrlichkeit Gottes verbalisierten, aber darin versagten, die Feinde des Islam herauszufordern, die unentwegt Seinen heiligen Namen mit Beleidigungen überhäuften. Er ermahnte sie, weil sie träge waren. Sie taten ihre Pflicht nicht, die darin bestand, den Menschen das Gute zu gebieten und vom Schlechten abzuhalten. Ihr Verhalten lief auf Heuchelei hinaus. Wenn sie aufrichtig in der Lobpreisung ihres Gottes waren, warum wirkten sie dann den Angriffen der Feinde nicht entgegen? Warum lobpreisten sie Allah nicht in der Öffentlichkeit, wie sie es in den stillen Ecken ihrer Häuser taten?

Darüber hinaus kritisierte sie der Verheissene Messias(as) auch deswegen, weil sie den Sinn des Zikrs verfehlten. Ihre Praktiken besaßen nicht die geringste Spur des tatsächlichen Konzeptes von Zikr in seiner makellosen Reinheit.

Fehlgeleitete Formen des Zikr

Es gibt mehrere fehlgeleitete Formen des Zikr bei den Sufis. Sie stoßen einen Schrei aus ihren Herzen aus und leiten ihn zu ihren Köpfen und schreien so laut, dass niemand in der Nachbarschaft weder schlafen noch sich auf das Gebet konzentrieren kann. Dies wird „Durchdringung des Herzens“ genannt – als ob „La Ilaha Illalah“ nur ihr Herz dann durchdringen würde, wenn man es einhämmert! Obwohl sie behaupten, sich zum Zikr versammelt zu haben, gaukeln sie sich mit den leeren Klängen von „Allah, Allah“ nur etwas vor.

Es gibt noch viele weitere Praktiken solcher Art:

  • Einige machen sich nur einen schönen Zeitvertreib mit schönen Liedern, Chören und tanzenden Mädchen; sie nennen es aber trotzdem eine Zikr-Versammlung, weil der Klang des Wortes Allah oft fällt.
  • Einige durchdringen ihre Herzen.
  • Einige äußern einen Schrei aus ihrer Seele.
  • Einige erheben den Zikr aus ihren Herzen und dieser kehrt nach einen Rundgang auf der Arche – dem Thron Allahs – wieder zu ihnen zurück.
  • Einige stoßen Allah–Schreie aus all ihren Körperteilen aus.
  • Einige tanzen zum Klang des Heiligen Qur-ân mit anderen herum und rezitieren dabei Gedichte. Sie täuschen einen Rauschzustand und Bewusstseinsverlust vor. Andere springen dann mitten in die Versammlung mit schrillen Schreien von „Allah, Allah“.

Kurzum, es wurden viele exzentrische und okkulte Praktiken in das Konzept von Zikr eingeführt, keine von ihnen hat jedoch etwas mit den wahren Lehren des Islam zu tun. Wir verurteilen solche Neuerungen, aber wir können nicht das Zikr wegen ihnen aufgeben.

Der Heilige Prophet(saw) sagte:

„Jede Neuerung leitet vom rechten Weg ab und führt in das Feuer.“ (Nisai, Kitab ul Salat)

Aus diesem Grund führt solches Zikr diese Leute nicht näher zu Allah. Im Gegenteil, es führt sie nur von Ihm fort. Jedes Mal, wenn solche Formen des Zikrs eingeführt wurden, haben sich die Muslime von Allah entfernt. Dies ist aber auch kein Wunder: Praktiken, die den Anweisungen Allahs und Seinen Gesandten entgegenstehen, führen zwangsläufig zu spirituellem Niedergang.

Alle Neuerungen, die in das Zikr eingeführt wurden, führen darüber hinaus jedoch zu einer gewissen Art der Zufriedenheit. Jemand, der diese künstliche Zufriedenheit auf Kosten von wahrer Glückseligkeit erlangt, ist verloren. Er ist wie jemand, der an Magenschmerzen leidet und anstatt diese angemessen zu behandeln, sich mit einer Dosis Opium schlafen legt. Der betäubende Effekt erleichtert ihn zwar für diesen Augenblick, Tatsache ist aber, dass dies einem Selbstmord gleichkommt Nach einer Weile wird die Zerstörung durch die Krankheit ans Tageslicht kommen.

Zikr und Mesmerismus

Was diese Leute Zikr nennen, ist nichts anderes als Mesmerismus und Hypnose. Es hat mit Spiritualität nichts zu tun. Eher hängt es mit einer Form der Konzentration von Gedanken zusammen.

Der allmächtige Gott hat das menschliche Bewusstsein mit der Stärke ausgestattet, dass fokussierte, auf etwas fixierte Gedanken einen sehr starken Effekt erzielen können. Glücksgefühle – ähnlich der durch Opium, Kokain oder Marihuana erzeugten – können durch solche Konzentration erzeugt werden. Diese Wahrnehmungen sind keine wahrhaften Glücksgefühle, sondern lediglich Sinnesbetäubungen. Solche Leute machen sich selbst zum Narren, indem sie glauben, durch das Rezitieren von Allahs Name Glückseligkeit zu erreichen. Selbst wenn sie den Namen „Ram“ an der Stelle von Allah rezitieren würden, wären ihre wahrgenommenen Gefühle nicht anders.

Es ist überliefert, dass ein angesehener Muslim mit dem Boot unterwegs war. Er begann mit voller Konzentration Zikr zu vollziehen. Andere, zum größten Teil Hindus, begannen mit ihm „Allah, Allah“ zu sagen. Doch einen asketischen Hindu hat das ganze nicht überzeugt. Der Muslim konzentrierte daraufhin seine Gedanken auf den asketischen Hindu, welcher wiederum seine Gedanken mit einer noch kräftigeren Konzentration auf den Muslim fixierte. Der Muslim begann unfreiwillig „Ram, Ram“ zu sagen. Der erstaunte Muslim sah ein, dass es nutzlos ist, das Zikr auf diese Art und Weise zu vollziehen. Er bereute und gab diese Praktik auf. Er begriff, dass das Ergebnis nur durch das Trainieren einer Befähigung hervorgebracht wurde und nicht durch das Gedenken Allahs. Wäre Allah die Quelle seiner Behaglichkeit gewesen, hätte die Äußerung von „Ram“ nicht dieselben Gefühle in ihm aufkommen lassen können.

Diejenigen, die solche Rituale praktizieren, sind wie Reisende, die in einer Wüste verlorengegangen sind und auf einen Korb mit Kieselsteinen stoßend, denken, er sei mit Nahrung gefüllt. Jemand, der bedeutungslose Riten vollzieht, glaubt zwar, die Nähe Allahs zu erreichen, ist in Wirklichkeit aber in einer trostlosen Einsamkeit. Seine Sinne sind betäubt. Er glaubt, einen spirituellen Rang erreicht zu haben, sein Herzenszustand jedoch bleibt unrein.

Genuss durch Zikr

Einst sagte mir ein aufrichtiger Ahmadi, dass man durch die eben genannten Praktiken Glücksgefühle erzeugen kann. Ich antwortete ihm, dass es dieselben Gefühle sind, die man auch durch Opium oder Kokain auslösen kann. Beweisen kann man dies aus der Schlussfolgerung, dass solche Praktiken des Zikr keine spirituelle Reinheit mit sich bringen. Er stimmte mir zu und erzählte mir, dass er jemanden kannte, der darin ein Meister war, aber auf Straßen um Nahrung bettelte. Der Ahmadi fügte hinzu, dass er sich darüber sehr wunderte. Wenn der Mann nun diesen hohen spirituellen Rang erreicht hatte, wie er behauptete, warum musste er dann betteln?

Der Verheissene Messias(as) erzählte eine Geschichte über einen Pir (Geistlichen), der behauptete, einen hohen spirituellen Rang erreicht zu haben. Als dieser Pir einst einen Anhänger während einer Hungerszeit besuchte, forderte er ihn auf, ihm Huldigung zu erweisen. Der Anhänger, der nichts hatte, was er dem Pir hätte anbieten können, bat um Entschuldigung, aber der Pir bestand so lange darauf, bis der Anhänger am Ende gezwungen war, einige Sachen aus seinem Haushalt zu verkaufen, um den Ansprüchen des Pirs zu genügen.

Kurzum, es sind viele Schwächen in Personen zu finden, die aufgeblasene Behauptungen über fehlgeleitete Formen des Zikr aufstellen.

Der Unterschied zwischen Zikr und dem bloßen Einfluss von Gedanken

Der allmächtige Gott stattete sowohl die menschliche Stimme als auch die Gedanken mit einer speziellen Fähigkeit aus. Wenn jemand denkt, dass etwas bereits passiert ist, wird sein Verstand dementsprechend determiniert sein. Genau so wird jemand anfangen, den Klang von „Allah“ zu empfangen, der glaubt, dass sein Herz diesen Klang ausstrahlt. Es kommt folgende Frage auf: Wenn das Herz wirklich diesen Klang produziert, warum ist es dann nicht gereinigt?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Personen, die Gott wirklich lieben, und solchen, die nur Tricks machen. Der Unterschied ist einfach, seine Verwechslung jedoch führt zu Unbekümmertheit gegenüber der eigenen Verbesserung. Man mag glauben, dass man Allah erreicht hat, wobei man dies doch nicht hat. Er wird genau so wie jemand, der glaubt, sein Ziel erreicht zu haben, tatsächlich jedoch an einem falschen Ziel angelangt ist und nun herum sitzt und um seinen Verlust trauert. Diejenigen, die in fehlgeleiteten Praktiken verstrickt sind, stellen sich vor, ihr wahres Ziel erreicht zu haben, sind aber in Wirklichkeit meilenweit davon entfernt. Sie sind wie Opiumsüchtige, die sich in einem rasenden Zustand des Rausches und Bewusstseinsverlusts befinden.

Der Verheißene Messias(as) trieb seine Anhänger dazu an, sich von falschen Formen des Zikr fernzuhalten. Er kritisierte diejenigen, die diese praktizierten:

„Wie kann man solche Praktiken als Gedenken Allahs bezeichnen, wenn selbst Hindus und Christen sie praktizieren können?“

Das Zikr laut rezitieren

Wie steht es mit dem lauten Rezitieren von Zikr oder dem Hören und Singen von Liedern und Musik? Wie ich erwähnte, ist das menschliche Nervensystem mit der Fähigkeit ausgestattet, zu beeinflussen und sich beeinflussen zu lassen. Die Ohren stellen einen der Wege dar, die zum Nervensystem führen. Sie reagieren auf angenehme Klänge. Dies trifft nicht nur auf Menschen, sondern auch auf andere Lebewesen zu. Wenn man einer Schlange mit der Flöte etwas vorspielt, beginnt sie zu tanzen. Könnte man da behaupten, dass sie unter spirituellem Einfluss steht? Auf gar keinen Fall! Genauso wenig kann man behaupten, dass jemand, der zu der Melodie eines Liedes zu tanzen anfängt, einen spirituellen Zustand angenommen hat. Man könnte nur sagen, dass seine Gefühle beeinflusst worden sind. Jeder, der glaubt, dass das Singen einen spirituellen Effekt nach sich zieht, irrt. Genau so, wie Schlangen zu einer Flötenmelodie tanzen, reagieren die heutigen Sufis auf Lieder und Musik. Dazu ist es eine Neuerung im Islam, das Zikr laut zu vollziehen. Einst war der Heilige Prophet(saw) mit seinen Gefährten unterwegs. Er hörte sie laut „Allaho Akhbar, Allaho Akhbar“ sagen. Hadhrat Abu Musa(ra) überliefert, dass der Heilige Prophet(saw) sie zurechtgewiesen hat:

„Seid barmherzig zu euch. Warum sprecht ihr nicht leise? Der Eine, Den ihr aufruft, ist weder taub noch abwesend. Er ist mit euch und hört euch sehr gut.“ (Bukhari, Kitab ul Jihad)

Die heutigen Sufis handeln den Anweisungen des Heiligen Prophet(saw )entgegen. Wenn sie eine Versammlung halten, wird die ganze Nachbarschaft mit Lärm durchdrungen. Sie halten es für eine gute Tat, wobei sie in Wirklichkeit der Scharia (Islamisches Recht) entgegengesetzt handeln. Ihre Handlungen, wie Tanzen, Schreien, Fallen und Köpfe hin- und herbewegen, gehen nicht mit der islamischen Lehre konform.

Poesie als Zikr?

Es ist zwar überliefert, dass der Heilige Prophet(saw) sich Gedichte anhörte, niemand kann aber belegen, dass er der Poesie mit der Absicht zuhörte, Allahs zu gedenken. Manchmal kam Hadhrat Hassan(ra) zu ihm und sagte:

„O Prophet(saw) Allahs! Ein Gegner hat Verse gegen dich gedichtet und ich habe diese Antwort vorbereitet.“

Er hörte sich die Antwort an. Ähnlich kam einst eine Person, gegen die er ein Todesurteil gefällt hatte, zu ihm und trug, nach Einholung seiner Erlaubnis, einige Verse vor, in denen sie um Gnade bat. Der Heilige Prophet(saw) breitete daraufhin seine Gnade symbolisierend seinen Mantel über die Person aus. Später sagte der Mann:

„Ich hatte keine Angst vor dem Tode, vielmehr erkannte ich die Wahrheit des Islam und wollte nicht als Ungläubiger sterben.“

Bei einer anderen Angelegenheit schrieb ein Gefährte während eines Krieges ein Gedicht, in dem er sagte:

„An diesem Tage werden wir siegreich sein, oder wir werden dem Tode ins Auge sehen; aber zurückweichen werden wir nicht.“

Keines davon zeigt, dass das Gedenken Allahs je die Form von entzückenden Liedern oder dem Vortragen eines Gedichts annahm noch gibt es eine Bestätigung dafür, dass die Gefährten tanzten oder in einen Rausch gerieten. All diese Praktiken sind Neuerungen. Das Verhalten, welches diese Gedichte hervorrufen, ist vulgär und unislamisch. Der Islam duldet dies keineswegs.