Islamische Quellen

Die Quelle – Der Heilige Koran

Der Heilige Koran wurde vom Heiligen Propheten Muhammad (saw) Wort für Wort als Offenbarung von dem Einen Gott, dessen Eigenname Allah ist, in einer Zeitspanne von 23 Jahren empfangen. Es handelt sich beim Heiligen Koran also nicht um inspiriertes Menschenwort, sondern um wörtliche Offenbarung vom Schöpfer aller Wesen und Dinge.

Der Heilige Koran umfasst die Grundlagen des Islam, in einem Satz das Gebot also: „Liebe für alle, Hass für keinen.“ Seine 114 Suren sind nicht, wie es fälschlicherweise immer wieder zu lesen ist, der Länge nach geordnet, sondern in einem inneren Zusammenhang entsprechend der Weisung Gottes zusammengestellt worden.

Der Heilige Prophetsaw pflegte nach dem Erhalt einer Offenbarung dem Schreiber der Verse genau anzugeben, an welcher Stelle sie einzufügen seien. Er selbst rezitierte im Monat Ramadan den gesamten Heiligen Koran in einer Reihenfolge, die später, unter dem Khalifat von Hadhrat Usmanra , als kanonisch festgelegt wurde.

Die 6348 Verse des Heiligen Koran umfassen auch die Eingangsverse, die so genannte Bismillah, also den Vers: „Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.“ Diese Zählweise, wiewohl in vielen Koranausgaben nicht so vorgenommen, findet Rückhalt in den Worten des Heiligen Propheten Muhammad (saw) , den so genannten Hadith.

Die Praxis des Heiligen Propheten (saw)

Unter dem Begriff Sunnah wird im Islam die Praxis des Heiligen Propheten Muhammad (saw) verstanden. Dem Heiligen Koran zufolge ist die Sunnah die zweitwichtigste Grundlage des Islam. Die islamische Sharia basiert grundsätzlich auf den Heiligen Koran und auf der Sunnah.

Denn der Heilige Koran ist das Wort Gottes, und die Sunnah ist die Praxis des Wortes, welche der Heilige Prophetsaw anhand seines persönlichen Beispiels einführte; und durch das persönliche Beispiel seiner Begleiter erreichte es die nachfolgenden Generationen.

Dementsprechend liegt das Geheimnis des Islam in den allumfassenden und perfekten Lehren des Heiligen Koran sowie in der Tatsache, dass der Begründer des Islam, der Heilige Prophet Muhammad (saw), diese Lehren auf vollkommene Art und Weise vorlebte. Das war es auch, was ihn zu einem perfekten Beispiel dessen machte, was er lehrte.

Die tiefe und unzerstörbare Beziehung zwischen seinem Leben und seinen Lehren hinterließ einen unauslöschbaren Eindruck auf seine Gefährten. Als nach seinem Tode seine Ehefrau Hadhrat Aishara über sein Leben befragt wurde, antwortete sie, dass sein Leben wie der Heilige Koran war.

Kein Wunder, dass er vom Heiligen Koran als ein perfektes Vorbild für die gesamte Menschheit für alle Zeiten bezeichnet wird.

Unterschied zwischen Hadith und Sunnah

Die Ahadith bestehen aus den Worten oder Einzelheiten von Begebenheiten um den Heiligen Propheten Muhammad (saw), für deren Korrektheit die Linie der Überlieferer garantiert. Die Ahadith wurden aus der Erinnerung übermittelt und streng überwacht.

Sie gruben sich in die Herzen der Überlieferer ein und wurden zuerst mündlich weitergegeben. Sie sind später mit großer Sorgfalt gesammelt und in Form von Büchern veröffentlicht worden, von denen die wichtigsten Werke in der Zeit von 100 bis 150 Jahren nach der Hidschra entstanden.

Sunna dahingegen ist nicht der Name für einen überlieferten Bericht, sondern steht für die tatsächliche Praxis des Heiligen Prophetensaw, die seine Begleiter zu seinen Lebzeiten und unter seiner eigenen Obhut übernahmen. Jede Generation hält sich streng an die eigentliche Form, in der der Heilige Prophetsaw den Islam praktizierte, und übermittelte so der nachfolgenden Generationen dieselbe Art und Weise. Die Sunna ist deshalb etwas anderes als die Ahadith und besitzt demnach ein größeres Gewicht.

Doch oft genug unterstützen sich Sunnah und Ahadith gegenseitig, so zum Beispiel bei der Gebetswaschung oder hinsichtlich der Verhaltensregeln in der Moschee.

Unterschied zwischen Traditionen und Sunnah

Durch Traditionen und Bräuche der jeweiligen Völker sind viele islamische Praktiken verformt oder entstellt worden bzw. ganz aus der Praxis verschwunden.

Dieser Einfluß von Traditionen erklärt auch die vielen unterschiedlichen Praktiken in den verschiedenen islamischen Gemeinden/Gruppierungen, die teilweise stark von der ursprünglichen Sunnah bzw. der Lehre des Islam abweichen.

So ist beispielsweise die Beschneidung an Frauen keine islamische Praxis, sondern eine barbarische Tradition bestimmter Regionen.

Äußerungen des Heiligen Propheten (saw)

Neben dem Heiligen Koran und der Praxis des Heiligen Propheten Muhammad (saw) (Sunnah) sind die Ahadith die dritte wesentliche Quelle des islamischen Denkens und Lebens.

Hadith (Plural: Ahadith) ist ein arabisches Wort und seine eigentliche Übersetzung lautet: eine Rede oder eine Darlegung, die entweder ein Bericht ist oder eine erzählende Form besitzt. In der islamischen Terminologie versteht der Muslim unter einem Hadith durch Überlieferer berichtete Äußerungen des Heiligen Propheten Muhammad (saw).

Methode der Übermittlung

Obwohl berichtet wird, dass einige dieser Überlieferungen bereits zu Lebzeiten des Heiligen Prophetensaw niedergeschrieben wurden, geschah dies mit den meisten anderen Überlieferungen erst nach seinem Tod. Doch trotz dieser Tatsache, dass die meisten Überlieferungen erst später zusammengetragen wurden, können sie unter den folgenden Gesichtspunkten doch immer noch als höchst zuverlässig betrachtet werden.

Da das Wort des Heiligen Prophetensaw in sehr hohem Ansehen stand, wurde all das, was er sagte, sofort auswendig gelernt, um anschließend wiederholt erzählt und um unzählige Male unter den Gefährten beratschlagt zu werden.

Der zweite wichtige Umstand ist der, dass sein Wort mit großer religiöser Hingabe behandelt wurde. Jegliche Interpolation oder auch nur eine kleine Abweichung vom Originalausspruch wurde als ein Verbrechen behandelt, für das man Gott gegenüber verantwortlich war.

Drittens: Wenn die Leute Dinge über ihn oder von ihm an andere weiterberichteten, war es Brauchtum, dass der Empfänger einer solchen Botschaft nicht nur das auswendig erlernte, was ihm erzählt wurde, sondern auch den Namen und die Einzelheiten über jene Person, die es ihm erzählte, so dass, falls sein Wort infrage gestellt wurde, er seine Quelle zitieren konnte.

Der vierte wichtige Gesichtspunkt ist der, dass die Araber sogar schon vor der Ankunft des Heiligen Prophetensaw für ihr exzellentes Gedächtnis berühmt waren. Es kam nicht selten vor, unter ihnen Leute zu finden, die 100.000 oder sogar mehr Verse arabischer Dichter auswendig gelernt hatten. Nach der Ankunft des Heiligen Prophetensaw stieg der moralische Standard seiner Anhänger auf ein sehr hohes Niveau, wobei die Angewohnheit des Übertreibens im Besonderen verurteilt wurde. Des Weiteren legt der Heilige Koran großen Nachdruck nicht nur auf den Wahrheitsgehalt, sondern ebenso auf die Belegbarkeit von Aussagen.

Als Ergebnis dieser Umstände wurden die Überlieferungen des Heiligen Prophetensaw mit großer Sorgfalt behandelt.

Während der Zusammentragung dieser Überlieferungen arbeiteten die muslimischen Gelehrten äußerst gewissenhaft und bezeugten so viel Genauigkeit, dass keine andere Sammlung historischer Daten mit dieser Zusammentragung der Überlieferungen des Heiligen Prophetensaw verglichen werden kann. Jedes Glied in der Kette der Erzähler einer bestimmten Überlieferung ist in den Hauptwerken der Ahadith festgehalten. Sogar das Studium der Charaktere der Erzähler und ihre Verlässlichkeit entwickelten sich zu einer eigenständigen Wissenschaft. Als Ergebnis ergab sich zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit eine völlig neue Art des Wissens in Bezug auf die Analyse von Überlieferungen.

Authentizität der Ahadith

Die Frage der Authentizität hat die islamische Welt oft gespalten. Manche Gruppen haben die Ahadith über den Heiligen Koran gestellt, andere haben Ahadith insgesamt abgelehnt. Grundsätzlich gilt aber, dass jedes Hadith als vom Heiligen Prophetensaw stammend angenommen werden muss, wenn es folgende Kriterien erfüllt:

  • Ein Hadith darf nicht im Widerspruch zu irgendeinem Vers aus dem Heiligen Koran stehen.
  • Ein Hadith darf nicht gegen die Sunnah des Heiligen Prophetensaw oder gegen die anerkannten Gewohnheiten seiner Gefährten verstoßen.
  • Ein Hadith darf nicht historischen Tatsachen widersprechen.
  • Ein Hadith darf nicht vernunftswidrig sein oder gegen offenkundige Lehren des Islam verstoßen.
  • Die Ahadith sind im Allgemeinen heutzutage als Richtlinien für die Muslime anerkannt. Indes müssen sie mit Sorgfalt auf ihre Authentizität überprüft werden. Wenn jemand ein
    Hadith als Autorität in Glaubensfragen zitiert, so wird er im Allgemeinen die Quelle angeben, um so zu zeigen, dass es sich nicht um ein fabriziertes, zur Unterstützung von egoistischen oder politischen Interessen erfundenes Hadith handelt.

Standardwerke der Hadith

Sahih Bukhari :

Dieses Buch wird als das authentischste unter den Hadith-Büchern angesehen. Der Verfasser dieses Buches ist Muhammad Isma´il von Bucharara, gemeinhin bekannt als Imam Bukhari. Er wurde im Jahre 194 nach der Hidschra geboren und starb im Jahre 256 nach der Hidschra.

Sahih Muslim :

Als das zweitwichtigste an Bedeutung wird das Sahih Muslim betrachtet. Es wurde verfasst von Muslim bin al-Hajajra, der ein Einwohner von Neshapur in Khorasan (nordost-iranische Provinz) war. Er lebte von 202 bis 261 nach der Hidschra.

Jami´ al-Tirmidhi :

Drittes in dieser Reihe ist das Jami´al-Timirdhi. Der Verfasser, Imam Muhammad bin´Isara war ein Einwohner von Timirdh. Er lebte von 209 bis 279 nach der Hidschra.

Sunan Abu Da´ud :

Das nächste Buch ist das Sunan Abu Da´ud, verfasst von Salaiman bin al-Asha´tra, bekannt als Abu Da´ud. Er lebte von 202 bis 275 nach der Hidschra.

Sunan ibn Majah :

Das fünfte in Bezug auf Authentizität ist das Sunan ibn Majah. Es wurde von Muhammad bin Majahra verfasst, der aus der berühmten Stadt Fitzwin in Persien stammt. Er lebte von 209 bis 275 nach der Hidschra.

Sunan Nisa´i :

Das sechste Buch ist das Sunan Nisa´i. Es wurde verfasst von Ahmad bin Shu´aibra, bekannt als Nusa´i nach der Stadt in Khorasan. Er lebte von 215 bis 306 nach der Hidschra.

Muwatta Imam Malik :

Neben den Sihah Sittah (den „Sechs Authentischen“) gibt es noch eine weitere sehr wichtige Zusammenstellung von Überlieferungen, die als Muwatta Imam Malik bekannt ist. Der Verfasser, Malik bin Anasra, ist gemeinhin als Imam Malik bekannt.