Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen
Nichts hat einen Anspruch darauf, ein Ziel der Liebe und Verehrung zu sein außer Allah, Muhammad ist der Gesandte Allahs.
Muslime die an den Imam Mahdi und Verheißenen Messias,,
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad Qadiani (as), glauben.

Warum lässt Gott soviel Leid zu?

Die folgende Antwort basiert auf einer Ausführung vom vierten Khalifen der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hadhrat Mirza Tahir Ahmad, Khalifatul Massih IV(ra):

Wenn wir die Geschichte der Evolution studieren, stellen wir fest, dass Evolution in ihrem gesamten Ablauf von der Triebkraft des Gewinnens und des Verlustes geprägt ist. Ohne den Wertbegriff von Gewinn oder Verlust gibt es weder Freude noch Leiden. Es ist die Evolution des Bewusstseins, die Freude und Leiden entstehen lässt. Mit dem Bewusstsein werden die es umgebenden Freuden und Leiden bewusster und bedeutungsvoller für die betreffende Person. Je höher sich das Bewusstsein entwickelt, desto stärker wird der Sinn für Verlust – genannt Leiden -, und je weniger entwickelt das Bewusstsein ist, desto weniger leidet der Mensch.

Glückseligkeit und Leiden stehen in einer direkten Beziehung zueinander. Wenn wir den Pegel des Leidens senken, sinkt gleichzeitig und im gleichen Maß auch der Pegel des Glücks. Wenn man sich von dem einen befreit, müsste man auch auf das andere verzichten.

Allah wollte Glückseligkeit und Freude schaffen, nicht aber Leiden. So heißt das Fehlen von Glück oder Freude Leiden, welches ein Schatten und Gegenstück des ersteren ist. Genauso wie das Licht einen Schatten wirft, so wirft auch Freude einen Schatten, den wir Leiden nennen. Dieses Phänomen wird im Heiligen Koran in der Sure 67:2-5 erwähnt.

Die Entwicklung des menschlichen Geistes und sein Fortschritt sind nur durch den Kampf zwischen den Kräften des Lebens oder dem Fehlen dieser Kräfte möglich. Es braucht eine Motivation. Es ist dieser Kampf, der für die Veredelung des Charakters verantwortlich ist und der das ganze Spektrum des Lebens beeinflusst. Ohne die Gefühle von Freude und Glück würde das Leben jeden Sinn verlieren. Das Dasein von Leiden ist die natürliche Folge des Daseins von Glückseligkeit. Ob der Mensch sich jedoch in die Richtung des Lichts oder der Dunkelheit, des Lebens oder des Todes bewegt, geschieht meistens aus seinem eigenen Antrieb.

Es gibt allerdings Fälle, wo die leidende Person offensichtlich den Weg des Leidens nicht aus eigener Wahl begeht. Dies kann im weit gesteckten Rahmen des größeren Planes vorkommen, bleibt jedoch eine Ausnahme der Regel. So sind die Menschen sich manchmal ihrer Verantwortung in Bezug auf das Leiden nicht bewusst. Es gibt ein Gesetz der Vergeltung und Wiedergutmachung durch die Natur. Fest steht jedenfalls, dass ein solches Leben ohne Leid sich nicht weiterentwickeln, sondern immer in einem Stillstand verharren würde.

Wenn wir auf die Zeit der Bakterien zurückgreifen, finden wir diese als die Bakterie mit Zellkern, die Bakterie ohne Zellkern und der Pyrobakterie, geschaffen aus Feuer. Dies sind die drei frühesten dem Menschen bekannten Lebenseinheiten. Wäre von Anfang an kein Wettkampf und kein Wetteifern, kein Kampf ums Überleben – weil alle gleichmäßig versorgt wären und natürlich kein Leiden da wäre – gäbe es keine Probleme und keine Lösungen. Aber dann wäre auch der Mensch nicht geboren worden, weil das ganze System der evolutionären Entwicklung fehlen würde.

Um auf die Menschen zurückzukommen, die ohne eigene Verschuldung leiden: Diese werden von Gott nach ihren Verhältnissen beurteilt, und wenn ihr Leiden ein Ende findet, werden sie in eine neue Ära der unendlichen Glückseligkeit geführt werden, einer Glückseligkeit, die die Zeit des Leidens in ihren Augen als einen Augenblick erscheinen lassen wird. Man wendet ein, all das sei bloß ein Beruhigungsmittel und nichts weiter. Es gäbe keinen Gott, und wir sollten uns nicht mit derartigen Theorien zufrieden geben. Die ganze Frage der Philosophie des Leidens stellt sich jedoch erst, wenn man die Existenz Gottes annimmt, denn die Frage der Moral wird erst dann relevant. Wenn es keinen Gott gibt, kann auch nicht die Rede davon sein, der Religion oder der Weltanschauung die Schuld zu geben, sondern man nimmt es, wie es ist. Alles wäre nur den Gegebenheiten der Natur zuzuschreiben, und der Mensch müsste sich damit abfinden. Darüber hinaus sei noch auf folgenden Koranvers hingewiesen:

„Allah belastet niemanden über sein Vermögen. …“ (2:287)

Somit sind Menschen, denen Leid widerfährt, in gewisser Hinsicht mit einer besonderen Stärke ausgezeichnet.