Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen
Nichts hat einen Anspruch darauf, ein Ziel der Liebe und Verehrung zu sein außer Allah, Muhammad ist der Gesandte Allahs.
Muslime die an den Imam Mahdi und Verheißenen Messias,,
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad Qadiani (as), glauben.

Welche Art der Gesetzgebung sollte ein Land einführen?

Frage:

Sie haben in Ihrer Rede gesagt, dass der Premierminister von Pakistan, Nawaz Sharif, beschlossen hat, die Scharia zum Landesgesetz zu machen, ohne genaue Regeln oder Vorschriften zu formulieren.

Dabei wird ganz allgemein der Heilige Qur-ân zugrunde gelegt.

Aber Sie meinen, dass dies kein praktikabler Weg ist.

Ich habe beobachtet, dass Sie sich mit diesem Thema sehr gründlich befasst haben. Deswegen möchte ich Ihre Antwort zu der Frage hören, welche Art der Gesetzgebung ein Land einführen sollte.

Sollte die Scharia abgelehnt werden?

Sollte sie modifiziert werden?

Sollte es eine säkulare Form der Gesetzgebung geben?

Wie kann man Ihrer Meinung nach hier zu einer Lösung kommen?

Antwort:

Vielen Dank für diese Frage, die ich in meinen bisherigen Ausführungen hätte behandeln sollen.

Es ist Fakt, dass das Konzept der Regierungsform im Islam ein sehr wichtiges Thema darstellt, welches behandelt werden muss, bevor fortgefahren wird.

Ich habe mich mit dieser Frage gründlich auseinandergesetzt und ich habe die Schriften der muslimischen Gelehrten der vergangenen Jahrhunderte studiert, die über dieses Thema gesprochen und geschrieben haben, die das Problem indes nicht auf zufriedenstellende Weise lösen konnten.

Wenn der Islam eine Regierung vorschlägt, die Gott vertritt, dann muss man sich dieser Frage aus einem ganz anderen Blickwinkel nähern.

Wenn andererseits aber der Islam ein Regierungssystem vorschlägt, das vielen religiösen Bekenntnissen und verschiedenen Völkern gemeinsam ist, dann würde sich die Situation völlig anders darstellen.

Meiner Meinung nach trifft das erste nicht zu. Denn der Islam plädiert für eine säkulare Form von Regierung, und zwar mehr als jede andere Religion und jedes andere politische System.

Dies wird einige überraschen. Aber ich kann diese Aussage mit einem Zitat aus dem Qur-ân beweisen. Der eigentliche Kern des Säkularismus ist, dass absolute Gerechtigkeit ausgeübt werden muss, ohne Unterscheidung von Glauben, Religion, Rasse oder ethnischer Zugehörigkeit. Dies ist im Wesentlichen die wahre Definition des Säkularismus. Der Qur-ân lehrt uns, dass in staatlichen Angelegenheiten, also wie die Geschäfte ausgeführt und der Staat gelenkt werden sollte, dieses Prinzip befolgt werden muss. Der Heilige Qur-ân sagt:

„Allah gebietet euch, Gerechtigkeit auszuüben.“(Sure 16, Vers 91)

Das Thema wird weiter entwickelt in diesem Vers:

„Die Feindschaft zu einem Volk soll euch nicht dazu verleiten, von der absoluten Gerechtigkeit abzuweichen. Seid immer gerecht, das ist der Rechtschaffenheit näher.“ (Sure 5, Vers 9)

Setzt man Regierungsverantwortung um, so muss man dabei absolut gerecht handeln. Wenn der Regierung als zentrale Idee die absolute Gerechtigkeit vorgestellt wird, wie kann Nichtmuslimen dann das islamische Gesetz aufgezwungen werden?

Dies würde doch dem Gerechtigkeitsgebot zuwiderlaufen und so zu vielen Widersprüchen führen.

Wenn Sie sich mit diesem zentralen Gedanken eingehend beschäftigen, dann würden Sie überrascht darüber sein, dass die Interpretation, die ich zu dieser Frage vorgelegt habe oder die ich für richtig halte, auch der Interpretation entspricht, die durch die Praxis des Heiligen Gründers des Islam (saw) bestätigt wird.

Nach seiner Auswanderung nach Medina kam er mit nichtmuslimischen Gemeinden in Kontakt, zum Beispiel der jüdischen, die ihn nicht als ihren religiösen Führer anerkannten; aber als ihren politischen Führer.

Sie kamen darin überein – und dies wird als die Charta von Medina bezeichnet –, dass alle Streitfälle ihm vorgelegt werden sollten, und dass man seiner überlegenen Urteilskraft vertrauen sollte, um alle Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Parteien zu lösen.

Zu dieser Zeit war das islamische Recht bereits offenbart worden.

Juden kamen zu ihm, um seinen Rat zu holen oder erbaten eine Entscheidung von ihm.

Jedes Mal, ohne Ausnahme, fragte der Prophet:

„Wollt ihr, dass euer Streit nach dem jüdischen Gesetz oder nach dem islamischen Gesetz oder durch Schiedsspruch gelöst wird?“

In keinem einzigen Fall hat er einer Partei, die sich nicht zum Islam bekannte, das islamische Recht aufgezwungen, wenn sie damit nicht einverstanden war. Dies bezeichne ich als absolute Gerechtigkeit. Eine wahrhaft islamische Regierung muss daher absolute Gerechtigkeit ausüben, wenn sie je davon träumt, sich als „islamische Regierung“ bezeichnen zu dürfen. Mit anderen Worten, sie ist eine säkulare Regierung.