Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen
Nichts hat einen Anspruch darauf, ein Ziel der Liebe und Verehrung zu sein außer Allah, Muhammad ist der Gesandte Allahs.
Muslime die an den Imam Mahdi und Verheißenen Messias,,
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad Qadiani (as), glauben.

Ansprache von Seiner Heiligkeit Mirza Masroor Ahmad (Möge Allah seine Hand stärken), der fünfte Kalif des Verheißenen Messias, gehalten am 27. Juni 2012 in Capitol Hill, Washington D.C.

Hintergrund

Im Angesicht von weltweitem Unfrieden und verantwortungsloser Kriegstreiberei bedarf es einer nüchternen Bestandsaufnahme jenseits politisch gefärbter Parteinahme. Was sind die Ursachen für die Rastlosigkeit und das Chaos auf der Welt? Wenn jeder behauptet, für den Frieden einzustehen, woher rührt dann dieser Unfrieden? Der Autor dieser im US-Capitol gehaltenen Rede erläutert im Lichte der Lehren des Heiligen Koran, dass Frieden und Gerechtigkeit unmittelbar miteinander verknüpft sind. Ohne die umfassende Einrichtung von Grundsätzen absoluter Gerechtigkeit kann kein Frieden in der Welt entstehen. Der Autor kritisiert die internationalen Bündnisse, die nach den zwei Weltkriegen als Mittel für eine friedlichere Welt etabliert wurden, als ungerecht und verweist darauf, dass die durch die UN manifestierte Ungerechtigkeit zu einer Zerstörung führen kann, die die beiden Weltkriege bei weitem übertrifft. Nur wenn versucht wird, tatsächliche Gerechtigkeit zu etablieren, kann dem Unfrieden Einhalt geboten werden.

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Hiermit liegt uns eine Rede vor, die der fünfte Kalif der weltweit aktiven Ahmadiyya Muslim Jamaat, Seine Heiligkeit Mirza Masroor Ahmad, gehalten hat. Dieser Kalif nimmt in der Welt des Islam eine wohl einzigartige Stellung ein, ist er es doch, der als rein spirituelles Oberhaupt, als geistiger Führer für alle Ahmadi-Muslime eine theologische Autorität besitzt, die weit über nationale Grenzen hinweg für mehrere zehn Millionen Anhänger globale Ausmaße angenommen hat. Der Kalif, der einem rein spirituellen, an weltlicher Macht völlig desinteressiertem Kalifat vorsteht, versteht sich als Nachfolger des islamischen Messias Seine Heiligkeit Mirza Ghulam Ahmad, der als Reformer des Islam im 19. und 20. Jahrhunderte lebte und mit wortmächtiger, intellektueller Wirkungskraft den Islam von abergläubischen und irrationalen Lehren befreite, um so das rationale und reine Bild des Islam aufzuzeigen. Der Kalif formuliert eindringlich, inwiefern ein Islam, der richtig verstanden und auf die Lehren des Koran aufbaut, einen positiven und notwendigen Beitrag zur Stabilisierung des moralischen Fundaments dieser Gesellschaft leisten kann. Dieser Vortrag gibt einen authentischen Standpunkt zur gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation derjenigen islamischen Führungs- persönlichkeit unserer Zeit wieder, die weltweit die meisten Anhänger unter sich vereint.

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Im Namen Allahs des Gnädigen und immer Barmherzigen

Sehr geehrte Gäste, Assalam-o-Alaikum Wa Rahmatullahe Wa Barakatohu – Frieden und Segnungen Allahs seien mit Ihnen.

Bevor wir beginnen, möchte ich zunächst die Gelegenheit nutzen, Ihnen allen dafür zu danken, dass Sie sich die Zeit genommen haben, zu kommen und sich anzuhören, was ich Ihnen zu sagen habe. Ich bin gebeten worden über ein Thema zu sprechen, das außerordentlich groß und breitgefächert ist. Es hat viele verschiedene Aspekte, weswegen es mir nicht möglich ist, sie alle in der mir zur Verfügung stehenden kurzen Zeit zu behandeln.

Die wichtigste Aufgabe der Menschheit

Bei dem Thema, über das zu sprechen ich gebeten wurde, handelt es sich um die Etablierung von Weltfrieden. Sicherlich ist dies die wesentlichste und dringlichste Aufgabe, mit der die Welt konfrontiert wird.

Da jedoch die Zeit begrenzt ist, werde ich nur kurz den islamischen Standpunkt zum Schaffen und Bewahren von Frieden durch gerechte und gleichberechtigte Beziehungen zwischen den Nationen vorstellen.

Die Wahrheit ist, dass Frieden und Gerechtigkeit untrennbar miteinander verknüpft sind – man kann das eine nicht ohne das andere haben. Ein Prinzip, das sicherlich alle vernünftigen und intelligenten Menschen verstehen können.

Lassen wir jene beiseite, die entschlossen sind, Chaos in der Welt zu schaffen, so kann niemand jemals behaupten, dass in irgendeiner Gesellschaft, irgendeinem Land oder sogar in der ganzen Welt, Chaos oder Mangel an Frieden dort sein können, wo Gerechtigkeit und faire Handlungsweise existieren.

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Gleichwohl können wir feststellen, dass in vielen Teilen der Welt Unordnung und Mangel an Frieden vorherrschend sind. Solche Unordnung ist sowohl innerhalb der Länder selbst als auch in den Beziehungen zwischen verschiedenen Nationen zu sehen.

Derartige Unordnung und Unfrieden existieren, obwohl alle Regierungen behaupten, eine Politik zu betreiben, die auf Gerechtigkeit basiert. Dabei erheben alle den Anspruch, dass die Etablierung von Frieden ihr vorrangiges Ziel sei.

Nun, im Allgemeinen gibt es wenig Zweifel daran, dass Ruhelosigkeit und Ängste in der Welt zunehmen und Unordnung sich dadurch ausbreitet. Dies beweist ganz klar, dass nirgendwo auf der Welt die Voraussetzungen für Gerechtigkeit erfüllt werden. Daher gibt es die dringende Notwendigkeit, sich darum zu bemühen, die Ungleichheit zu beenden, wo immer und wann immer sie existiert.

Wege zur Gerechtigkeit

In diesem Sinne möchte ich, als Oberhaupt der weltweiten Ahmadiyya Muslim Gemeinde, einige Beobachtungen über die Notwendigkeit für Frieden und die Wege, denselben auf der Grundlage von Gerechtigkeit zu erlangen, vorstellen.

Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde ist eine rein religiöse Gemeinschaft. Es ist unser fester Glaube, dass der Messias und Reformer, der ausersehen war, in diesem Zeitalter zu erscheinen und die Welt durch die wahrhaften Lehren des Islam zu erleuchten, in der Tat angekommen ist. Wir glauben, dass der Gründer unserer Gemeinde, Seine Heiligkeit Mirza Ghulam Ahmad aus Qadian (Friede sei auf ihm), ebenjener Verheißene Messias und Reformer war und folglich haben wir ihn anerkannt.

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Er legte seinen Anhängern nahe, gemäß der wahren und reinen Lehren des Islam, die sich auf den Heiligen Koran gründen, zu handeln und sie zu verbreiten. Demzufolge wird alles, was ich in Bezug auf die Etablierung von Frieden und das Führen gerechter internationaler Beziehungen sagen werde, auf den koranischen Lehren beruhen.

In Bezug auf das Erreichen von Weltfrieden äußern Sie alle regelmäßig ihre Ansichten und unternehmen in der Tat große Anstrengungen. Ihr kreativer und intelligenter Verstand erlaubt es Ihnen, großartige Ideen, Pläne und in der Tat eine Vision von Frieden zu präsentieren. Daher erfordert es dieses Thema nicht, dass ich darüber aus weltlicher oder politischer Sicht spreche, stattdessen wird mein Fokus vollständig darauf gerichtet sein, wie Frieden auf der Grundlage von Religion etabliert werden kann. Zu diesem Zweck werde ich, wie ich bereits sagte, einige sehr wichtige Richtlinien auf Grundlage der Lehren des Heiligen Koran vorstellen.

Das Gesetz Gottes ist gerecht

Es ist wichtig, sich immer daran zu erinnern, dass menschliches Wissen und menschlicher Intellekt nicht vollkommen, sondern in Wirklichkeit begrenzt sind. So dass, wenn Entscheidungen getroffen oder Ideen ausgestaltet werden, oft bestimmte Faktoren den menschlichen Verstand beeinflussen, die das Urteilsvermögen trüben und eine Person dazu verleiten können zu versuchen, ihre eigenen Ansprüche zu erfüllen. Letztendlich kann dies zu einem ungerechten Ergebnis und zum Treffen ungerechter Entscheidungen führen.

Demgegenüber ist das Gesetz Gottes vollkommen, es gibt keinen Eigennutz oder unfaire Bestimmungen. Dies deshalb, weil Gott nur das Wohl und die Verbesserung für Seine Schöpfung wünscht, weswegen Sein Gesetz gänzlich auf Gerechtigkeit basiert. Der Tag, an dem die Menschen der Welt diesen entscheidenden Punkt erkennen und verstehen, wird der Tag sein, an dem die Grundlage für wahren und dauerhaften Frieden gelegt werden wird.

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Andererseits fahren wir fort festzustellen, dass, obwohl endlos Anstrengungen unternommen werden, um den Weltfrieden zu etablieren, die Menschen bis jetzt außerstande sind, irgendwelche lohnenswerten Ergebnisse zu erzielen.

Die Mängel des Völkerbunds und der UN

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wünschten die Oberhäupter bestimmter Länder für die Zukunft gute und friedliche Beziehungen zwischen allen Nationen, so dass im Bestreben, den Weltfrieden zu erreichen, der Völkerbund gegründet wurde. Sein grundlegender Zweck war es, den Weltfrieden zu erhalten und den Ausbruch zukünftiger Kriege zu verhindern.

Unglücklicherweise hatten die Regeln des Völkerbundes und die erlassenen Beschlüsse gewisse Mängel und Schwachstellen, wodurch sie die Rechte aller Völker und aller Nationen nicht gleichmäßig beschützten. Das war der Grund dafür, dass ein Land nach dem anderen damit begann, aus dem Völkerbund auszuscheiden. So konnte sich als Folge der existierenden Ungleichheit kein lang andauernder Friede etablieren.

Die Anstrengungen des Völkerbundes schlugen fehl, was direkt in den Zweiten Weltkrieg mündete. Wir alle sind uns der beispiellosen Zerstörung und Verwüstung bewusst, die daraus folgten, wobei 75 Millionen Menschen weltweit ihr Leben verloren, viele von ihnen unschuldige Zivilisten.

Dieser Krieg hätte mehr als genug sein sollen, um der Welt die Augen zu öffnen. Es hätte ein Weg sein sollen, eine vernünftige Politik zu entwickeln, die allen Beteiligten auf Grundlage von Gerechtigkeit ihre gebührenden Rechte garantiert, wodurch sie sich als ein Mittel erwiesen hätte, um Frieden in der Welt zu schaffen.

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Die Regierungen der Welt zu der Zeit bemühten sich in gewissem Ausmaß und versuchten, Frieden zu etablieren, weswegen die Vereinten Nationen gegründet wurden. Es wurde jedoch alsbald ziemlich deutlich, dass der hehre und allumfassende Zweck, der die Vereinten Nationen stützte, nicht erfüllt werden konnte. In der Tat geben heute bestimmte Regierungen ziemlich offen Erklärungen ab, die den Fehlschlag der UN beweisen.

Koran: Alle Menschen sind gleich

Was sagt der Islam in Bezug auf internationale Beziehungen, die auf Gerechtigkeit gegründet sind und somit ein Mittel sind, um den Frieden zu etablieren?

Im Heiligen Koran hat Gott, der Allmächtige, deutlich gemacht, dass, während unsere Nationalitäten oder ethnischen Hintergründe ein Mittel zur Identitätsbildung sind, sie keinen Anspruch auf irgendeine Form von Überlegenheit begründen oder bestätigen. Der Koran macht auf diese Weise deutlich, dass alle Menschen gleichwertig geboren werden.

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Darüber hinaus hat der Heilige Prophet Muhammad (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) in seiner allerletzten Ansprache alle Muslime angewiesen, sich immer daran zu erinnern, dass ein Araber nicht besser ist als ein Nicht-Araber, noch ein Nicht-Araber besser ist als ein Araber. Er lehrte, dass ein weißer Mensch nicht besser ist als ein schwarzer Mensch, noch ein schwarzer Mensch besser ist als ein weißer Mensch. Es ist also eine eindeutige Lehre des Islam, dass die Menschen aller Nationalitäten und aller Rassen gleichwertig sind.

Koran: Gleiche Rechte für jeden

Es wird ebenso deutlich gemacht, dass allen Menschen ohne jeden Unterschied oder Vorurteile gleiche Rechte garantiert werden sollen. Dies ist der Schlüssel und das goldene Prinzip, welches das Fundament für Harmonie zwischen verschiedenen Gruppen und Nationen und für die Etablierung von Frieden legt.

Heute stellen wir jedoch fest, dass es zwischen den mächtigen und den schwächeren Nationen Spaltung und Trennung gibt. Zum Beispiel beobachten wir, dass in den Vereinten Nationen Unterschiede zwischen bestimmten Ländern gemacht werden. So gibt es im Sicherheitsrat einige ständige Mitglieder und einige nicht-ständige Mitglieder. Diese Trennung hat sich als eine interne Quelle von Ängsten und Frustration erwiesen, weswegen wir regelmäßig Berichte bestimmter Länder vernehmen, die gegen diese Ungleichheit protestieren.

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Koran: Gerechtigkeit selbst für den Ungerechten

Der Islam lehrt absolute Gerechtigkeit und Gleichheit in allen Belangen und so finden wir eine weitere äußerst wichtige Richtlinie in Sure 5 Vers 3 des Heiligen Koran. In diesem Vers ist festgelegt, dass es notwendig ist, sogar jene Leute, die in ihrem Hass und ihrer Feindschaft alle Grenzen überschreiten, mit Fairness und Gerechtigkeit zu behandeln, um die Anforderungen der Gerechtigkeit vollständig zu erfüllen. Und der Koran lehrt auch, dass, gleichgültig wann und von wem einem zu Tugend und Rechtschaffenheit geraten wird, man diesen Rat annehmen soll. Und egal, wo und von wem auch immer einem zu sündhaftem oder ungerechtem Verhalten geraten wird, man diesen Rat zurückweisen soll.

Es stellt sich natürlich die Frage, was das vom Islam geforderte Niveau der Gerechtigkeit ist?

Koran: Gerechtigkeit sogar dann, wenn es gegen sich selbst gerichtet ist

In Sure 4 Vers 136 erklärt der Heilige Koran, dass man, sogar wenn man gegen sich selbst oder seine Eltern oder seine Verwandten Zeugnis ablegen muss, dies tun muss, um die Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit aufrecht zu erhalten.

Mächtige und reiche Länder sollten nicht die Rechte der armen und schwächeren Länder widerrechtlich an sich reißen, um die eigenen zu wahren, noch sollten sie die ärmeren Nationen in einer ungerechten Art und Weise behandeln.

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Andererseits sollten die armen und schwächeren Nationen nicht danach streben, den mächtigen oder wohlhabenden Nationen Schaden zuzufügen, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet.

Stattdessen sollten sich beide Seiten darum bemühen, die Prinzipien der Gerechtigkeit vollkommen zu befolgen, was in der Tat eine Angelegenheit von entscheidender Bedeutung ist bei der Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen zwischen den Ländern.

Koran: Achtet die Ressourcen anderer Nationen

Eine weitere Voraussetzung für Frieden zwischen den Nationen, der auf Gerechtigkeit basiert, wird in Sure 15 Vers 89 des Heiligen Koran genannt, in dem erklärt wird, dass kein Beteiligter jemals neidisch auf die Ressourcen und den Reichtum anderer schauen soll.

Und gleichermaßen sollte kein Land danach streben, sich ungerechterweise die Ressourcen eines anderen Landes anzueignen, oder versuchen, sie unter dem falschen Vorwand des Versuchs, es zu helfen oder zu unterstützen, an sich zu reißen. Demzufolge sollten Regierungen andere Nationen nicht auf Basis der Versorgung mit technischer Kompetenz durch Abschluss ungerechter Geschäfte oder Verträge übervorteilen. Und gleichermaßen sollten Regierungen nicht versuchen, auf Basis der Bereitstellung von Fachkenntnis oder Unterstützung, die Kontrolle über die natürlichen Ressourcen oder das Eigentum der Entwicklungsländer an sich zu reißen.

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Wenn es notwendig ist, weniger gebildete Menschen oder Regierungen zu lehren, wie sie ihre natürlichen Ressourcen richtig verwenden sollten, dann sollte dies getan werden. Nationen und Regierungen sollten immer danach streben, jenen zu dienen und zu helfen, die weniger privilegiert sind. Jedoch sollten solche Dienste nicht mit dem Ziel, nationale oder politische Vorteile zu erreichen oder persönliche Interessen zu befriedigen, geleistet werden.

Wir stellen fest, dass in den vergangenen sechs oder sieben Dekaden die Vereinten Nationen viele Programme oder Stiftungen, mit dem Ziel den armen Ländern zu helfen sich zu entwickeln, ins Leben gerufen haben. Durch diese Bemühungen haben sie die natürlichen Ressourcen der Entwicklungsländer erkundet. Tatsächlich hat trotz dieser Anstrengungen keines der ärmeren Länder die Stufe oder den Standard der Industrienationen erreicht. Ein Grund dafür ist sicherlich die weit verbreitete Korruption vieler Regierungen jener unterentwickelten Länder. Allerdings muss ich mit Bedauern sagen, dass die Industrienationen fortfahren, mit solchen Regierungen Geschäfte zu machen, um ihre eigenen Interessen voranzutreiben. Handelsabkommen, internationale Hilfen und Geschäftsverträge werden weiterhin ausgeführt. Und als Ergebnis davon haben die Frustrationen und die Unruhe der armen und sozial benachteiligten Schichten der Gesellschaft zugenommen, was zu Rebellion und Unordnung innerhalb dieser Länder geführt hat.

Die armen Menschen in den Entwicklungsländern sind mittlerweile so frustriert, dass sie sich nicht nur gegen ihre eigenen Oberhäupter, sondern auch gegen die Großmächte wenden. Dies hat den extremistischen Gruppen in die Hände gespielt, die Vorteile aus den Frustrationen zogen und so in der Lage waren, solche Menschen zu ermutigen, sich ihren Gruppen anzuschließen und ihre hasserfüllten Ideologien zu unterstützen. Und das Endergebnis davon ist, dass der Weltfrieden zerstört wurde.

Wege zum Frieden

Der Islam hat unsere Aufmerksamkeit auf verschiedene Mittel für Frieden gelenkt:

  • Er erfordert absolute Gerechtigkeit.
  • Er erfordert, dass immer wahrhaftes Zeugnis abgelegt wird.
  • Er erfordert, dass unsere Blicke nicht neidisch auf den Reichtum anderer geworfen werden.
  • Und er erfordert, dass die Industrienationen ihren Eigennutz beiseitelassen und stattdessen den weniger entwickelten und ärmeren Nationen mit wahrhaft selbstloser Haltung und Geist helfen und dienen.

Wenn all diese Faktoren beachtet werden, dann wird wahrhafter Friede geschaffen werden.

Maßnahmen im Kriegsfall

Wenn trotz all dieser vorangehend erwähnten Maßnahmen irgendein Land alle Grenzen überschreitet und ein anderes Land angreift und versucht, ungerechterweise die Kontrolle über dessen Ressourcen zu übernehmen, dann sollten die anderen Länder sicherlich Maßnahmen ergreifen, solche Grausamkeit zu beenden. Aber sie sollten dabei immer mit Gerechtigkeit handeln.

Die Gegebenheiten, um gemäß den islamischen Lehren zu handeln, sind detailliert im Heiligen Koran, in der Sure 49, festgelegt, in der gelehrt wird, dass, wenn zwei Nationen im Streit miteinander liegen und dies zum Krieg führt, die anderen Regierungen ihnen dann nachdrücklich zu Dialog und Diplomatie raten sollen, so dass sie zu einer Übereinkunft und Versöhnung auf der Basis von ausgehandelten Abkommen gelangen.

Wenn jedoch einer der Beteiligten die Bedingungen der Einigung nicht akzeptiert und Krieg führt, dann sollten die anderen Länder sich zusammentun und kämpfen, um den Angreifer zu stoppen. Wenn die angreifende Nation besiegt ist und einer beiderseitigen Verhandlung zustimmt, dann sollten alle Beteiligten auf eine Vereinbarung hinarbeiten, die zu lang anhaltendem Frieden und Versöhnung führt.

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Harte und ungerechte Bedingungen, die dazu führen, dass irgendeiner Nation die Hände gebunden sind, sollten nicht erzwungen werden, weil dies auf lange Sicht zu Unruhe führt, die gären und sich ausbreiten wird. Und das Ergebnis solcher Unruhe wird weiteres Chaos sein.

Wenn eine dritte Regierung beteiligt ist und danach strebt, Versöhnung zwischen den beiden Parteien herbeizuführen, dann sollte sie mit Aufrichtigkeit und absoluter Unparteilichkeit zu Werke gehen. Diese Unparteilichkeit sollte jederzeit aufrechterhalten werden. Selbst wenn eine der Parteien gegen sie spricht, sollte die dritte Partei keinen Ärger zeigen und keine Rache nehmen oder in unfairer Art und Weise handeln.

Allen Beteiligten sollten ihre angemessenen Rechte gewährt werden. Demnach ist es für die Erfüllung der Voraussetzungen von Gerechtigkeit entscheidend, dass die Länder, die ein Abkommen aushandeln, nicht danach streben, ihre eigenen persönlichen Interessen durchzusetzen, oder versuchen, unzulässigen Vorteil von beiden Ländern zu erlangen. Sie sollten sich nicht ungerechterweise einmischen oder eine von beiden Parteien unter Druck setzen.

Im Angesicht einer gewaltigen Zerstörung

Aufgrund der begrenzten Zeit habe ich diese Punkte nur sehr kurz angesprochen. Kurzum, wenn wir wünschen, dass Frieden in der Welt geschaffen wird, dann müssen wir unsere persönlichen und nationalen Interessen um des größeren Guten Willen beiseitelassen und einvernehmliche Beziehungen aufbauen, die vollständig auf der Gerechtigkeit aufbauen.

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Einige von Ihnen mögen mir zustimmen, dass es andernfalls aufgrund der Bündnisse und Blöcke, die sich bilden könnten, bzw., die sich schon gebildet haben, nicht unwahrscheinlich ist, dass das Chaos in der Welt weiterhin zunehmen wird, was letztendlich zu einer gewaltigen Zerstörung führen wird. Die Auswirkungen einer solchen Verwüstung und Kriegsführung werden sicherlich über viele Generationen hinweg andauern. Und daher sollten die Vereinigten Staaten als größte Weltmacht ihre Rolle dabei spielen, mit wahrhafter Gerechtigkeit und mit solchen guten Absichten, wie ich sie beschrieben habe, zu handeln. Wenn es so geschieht, dann wird sich die Welt immer mit großer Bewunderung an Ihre großartigen Anstrengungen erinnern. Ich bete dafür, dass dies Realität wird.

Ich danke Ihnen sehr. Noch einmal vielen Dank.

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