Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen
Nichts hat einen Anspruch darauf, ein Ziel der Liebe und Verehrung zu sein außer Allah, Muhammad ist der Gesandte Allahs.
Muslime die an den Imam Mahdi und Verheißenen Messias,,
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad Qadiani (as), glauben.

Am Samstag, den 27. August 2017 sprach auf der Jalsa Salana Deutschland (Jahresversammlung) Seine Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor Ahmad(ABA), das weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde und fünfter Nachfolger des Verheißenen Messias(AS) zu den zahlreichen Nicht-Ahmadi-Gästen aus Deutschland und anderen Ländern. Im Folgenden lesen Sie die deutsche Übersetzung dieser Ansprache.

Seine Heiligkeit(ABA) sagte nach dem tašahhud, ta’awwu und bi-smillāh:

»An alle geehrten Gäste, as-salāmu ʿalaikum wa-ramatullāhi wa-barakātuhū – Friede und Segnungen Allahs seien mit Ihnen allen.Es besteht kein Zweifel daran, dass wir momentan extrem heikle und turbulente Zeiten durchleben. Auch wenn wir einen flüchtigen Blick auf die heutige Welt werfen, so werden wir Zeuge von vermehrten Konflikten, Feindseligkeiten und Unruhen. Während ein Großteil der Welt der Meinung zu sein scheint, der Islam sei schuld an der instabilen Lage der Welt, glaube ich nicht, dass es richtig wäre zu sagen, Muslime alleine würden die Feuer der Konflikte anfachen, welche überall auf der Welt brennen.

Wie dem auch sei, es ist Anlass tiefer Trauer, dass sogenannte Muslime und muslimische Gruppierungen oftmals den Weltfrieden gefährden und die Spannungen und Ängste unter Nicht-Muslimen verstärkt haben, indem sie Hass verbreitet und die abscheulichsten Gräueltaten begangen haben. Ich persönlich zögere keineswegs, zu akzeptieren, dass solche Muslime eine sehr beträchtliche Rolle dabei gespielt haben, Unruhen und Spaltungen innerhalb der Gesellschaft zu entfachen.

Ein Hauptgrund hierfür ist die Tatsache, dass extremistische muslimische Gruppierungen oder Geistliche besonders verdrossene Muslime ausgebeutet haben und anstatt sie zu führen und diesen frustrierten und fehlgeleiteten Menschen zu helfen, sie mit extremistischen Gedankengut vergiftet und sie radikalisiert haben. Traurigerweise wurden einige so sehr einer Gehirnwäsche unterzogen, dass sie grauenvolle Terrorattacken ausführen. Während es andere Menschen gibt, die zwar selbst keine Anschläge verübt haben, aber einer ähnlich boshaften Ideologie anhängen. Ebenfalls haben wir lange Zeit beobachtet, dass muslimische Regierungen ihre Bevölkerung unterdrücken und ihnen Grausamkeiten und Ungerechtigkeit zugefügt haben, was zu Zwiespalt, blutigen Aufständen und Bürgerkriegen geführt hat.

Gleichwohl muss klargestellt werden, dass, egal was die Extremisten behaupten, alle terroristischen und extremistischen Handlungen –  ob von Gruppen oder radikalisierten Einzelpersonen in westlichen oder in muslimischen Ländern – voll und ganz den wahren Lehren des Islam zuwiderlaufen. Ohne den geringsten Zweifel sind die Lehren des Islam ein Garant für Frieden und Sicherheit für die gesamte Menschheit. Die Lehren des Islam sind verwurzelt in Mitgefühl, Barmherzigkeit und Menschlichkeit, und es sind diese wahren islamischen Werte, welche die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft unaufhörlich seit über 125 Jahren verkündet. Daher lassen Sie es mich noch einmal sagen, dass unter keinen Umständen der Islam irgendeine Form von Grausamkeit, Ungerechtigkeit oder Übeltat erlaubt. Von Anbeginn zielten die islamischen Lehren darauf ab, die Menschheit zu vereinen, anstatt einen Keil zwischen die Menschen verschiedener Gemeinschaften zu treiben.

Im allerersten Kapitel des Heiligen Koran, den Muslime als das dem Gründer des Islam offenbarte Wort Gottes verstehen, heißt es, dass Allah der Allmächtige der „Herr der Welten“ ist. Als solcher ist Allah der Allmächtige nicht nur Gott der Muslime, sondern auch Gott der Christen, Juden und Menschen aller Glaubensrichtungen, und auch jener Menschen, die keinem Glauben zugehören und nicht einmal an die Existenz Gottes glauben. Demnach ist Allah der eigentliche Versorger und Erhalter der gesamten Menschheit, und Er hat Seine Gnade und Barmherzigkeit über alle Völker ausgeschüttet, ungeachtet ihrer Abstammung, Religion oder Hautfarbe.

Die im Koran verwendeten arabischen Worte sind رب العٰلمین (rabbu l-ʿālamīn), wobei Allah der Allmächtige das Wort ʿālam benutzt, welches als „Welten“ übersetzt wurde.

Jedoch kann keine Übersetzung die wahre Dimension des Wortes ʿālam wiedergeben, die unvorstellbar groß und weitreichend ist. Durch die Verwendung dieses Wortes hat Allah klargestellt, dass Er nicht nur der Versorger und Erhalter von Menschen bestimmter Religionen oder Regionen ist, sondern vielmehr der Schöpfer und Ernährer von Menschen aller Nationen, aller Glaubensrichtungen und aller Zeiten ist. Diese Worte sind mit unvergleichbarer Schönheit und großer Weisheit gefüllt, denn darin wurde die Unantastbarkeit des universellen Prinzips der Gleichheit verankert und klargestellt, dass es in der Welt keinen Platz für irgendeine Form rassistischer oder nationaler Überlegenheit gibt. Diese Worte stellen klar, dass Allahs Segnungen und Huld auf keine Rasse oder Ethnie beschränkt sind, sondern vielmehr unterschiedslos auf alle Menschen hinabgesandt werden.

Während dies die wahren Lehren des Islam sind, ist es sehr bedauerlich, dass Rassismus und Intoleranz in der Welt so verbreitet sind. Tatsächlich gibt es Menschen, die zwar dem Islam Diskriminierung von Nicht-Muslimen vorwerfen, aber selbst verächtliche und falsche Vorwürfe gegenüber dem Islam äußern. Zum Beispiel sagte vor Kurzem ein amerikanischer Politiker, dass „Weiße“ weit mehr zur menschlichen Zivilisation beigetragen hätten als „Schwarze“ oder Asiaten. Über einen anderen hochrangigen amerikanischen Entscheidungsträger wurde berichtet, dass er glaube, die „Weißen“ seien anderen Menschen „genetisch überlegener“. Solche extremistischen Sichtweisen können nur Ressentiments und Groll unter Menschen anderer Ethnien verstärken.

In komplettem Kontrast dazu lehrt der Islam, dass alle Menschen von der Geburt an gleich sind, egal von woher sie stammen oder welche Hautfarbe sie haben mögen. Er lehrt, dass keine Rasse einer anderen überlegen ist, noch sind Menschen bestimmter Abstammung begabter als andere, und dass Allah der Versorger der gesamten Menschheit ist. Obwohl es wahr ist, dass die Entwicklung eines Menschen von seinem Umfeld und seinem persönlichen Fleiß abhängt, sind die den Menschen verliehenen grundlegenden Fähigkeiten die gleichen und nicht abhängig von geografischer oder ethnischer Abstammung. Vor 1400 Jahren sprach der Heilige Prophet(SAW) des Islam in seiner monumentalen Ansprache anlässlich seiner letzten Pilgerfahrt –  die später als die Abschiedspredigt bekannt wurde – genau dieses Thema an und legte damit den Grundstein für den Weltfrieden. In Worten, die zeitloser nicht sein könnten, verkündete er, dass alle Menschen gleich sind. Dass kein „Weißer“ einem „Schwarzen“ überlegen sei, noch ein „Schwarzer“ einem „Weißen“ überlegen. Genauso sagte er, dass kein Araber über einen Nicht-Araber Überlegenheit beanspruchen könne, noch ein Nicht-Araber über einen Araber. Mit diesem ewig erleuchteten Leitfaden eröffnete Er(SAW) den Weg zu den universellen Menschenrechten und verkündete, dass alle Menschen gleich sind und die gleichen Rechte besitzen. Wenn wir also in einer Zeit leben, wo der Islam oft missverstanden wird, ist es umso wichtiger, dieses erleuchtete Prinzip zu bekräftigen, das gleichzeitig auch beweist, dass der Islam gegen alle Formen von Diskriminierung und Vorurteilen ist.

Es ist nicht nur in unseren physischen und mentalen Eigenschaften, dass Allah uns gleich geschaffen hat, sondern wir glauben auch daran, dass Er allen Menschen der Welt die Fähigkeit und die Mittel geschenkt hat Erlösung und Rechtleitung zu finden. Aus religiöser Sicht lehrt uns der Islam, dass Allah der Allmächtige zu allen Völkern Propheten gesandt hat und Muslime sind angehalten, sie alle zu respektieren und zu ehren. Daher halten wir alle Religionsstifter in großen Ehren und könnten es uns nicht vorstellen, je schlecht über sie zu sprechen. Gewiss wird jeder wahre Muslim es unterlassen, schlecht über irgendeinen Propheten oder eine heilige Person zu sprechen, auch dann nicht, wenn die Gegner des Islam den Propheten(SAW) des Islam diffamieren und verunglimpfen.

Sicherlich ist es sehr schmerzhaft und es verletzt unsere Herzen, wenn andere ungerechterweise unseren geliebten Propheten(SAW) diffamieren und schlecht über ihn sprechen. Wir werden dennoch niemals Propheten und Heilige anderer Religionen schmähen. Auch angesichts des Hasses und der Feindschaft verpflichtet uns unser Glaube dazu, mit Liebe zu antworten und unter allen Umständen den Frieden zu wahren. Der Islam gebietet den Muslimen nicht nur andere Religionen und Propheten nicht zu verschmähen, sondern er geht viel weiter und lehrt, was in Kapitel sechs, Vers 109 des Heiligen Koran gesagt wird, nämlich, dass die Muslime nicht einmal die Götzen der Polytheisten schmähen sollten, denn es könnte sie dazu provozieren, aus Unwissenheit Gott den Allmächtigen zu verfluchen und dies würde die Gefühle der Muslime verletzen.

Folglich ruft der Koran die Muslime dazu auf, Geduld zu zeigen und stets hohe moralische Werte anzunehmen, anstatt einen Teufelskreis von endlosem Hass zu erlauben, was ständig zu Feindschaften und Konflikten führen würde. Darüber hinaus legt der Heilige Koran im Kapitel 3, Vers 65 den Grundstein für religiöse Toleranz unter Menschen aller Glaubensrichtungen, wenn er dazu auffordert, dass religiöse Menschen, vor allem das Volk des Buches, zusammenkommen und sich vereinen sollten über ihren gemeinsamen Glauben an die Existenz Gottes. Daher ruft der Koran die Menschheit dazu auf, die Gemeinsamkeiten zu suchen und Unterschiede beiseite zu legen. Der Koran lehrt, dass während Nicht-Muslime die freie Wahl haben diese Aufforderung zu befolgen, es den Muslimen auferlegt wurde, unter allen Umständen ihre Herzen zu öffnen und den Glauben anderer zu respektieren.

Ein anderer, oft angeführter Vorwurf ist, dass der Islam Zwang und Aggression erlaube, um die Menschen unter Druck zu bekehren. Nichts kann der Wahrheit ferner liegen. Vielmehr erklärt der Heilige Koran in Kapitel 2, Vers 257 ausnahmslos, dass es keinen Zwang in den Angelegenheiten der Religion und des Glaubens geben darf. Während der Islam beansprucht, dass der Heilige Koran eine universelle und vollkommene Lehre sei, ist ein inhärentes Element seiner Lehre, dass die Religion eine Angelegenheit des Herzes ist und daher niemals irgendeine Form von Druck ausgeübt werden darf, um Menschen dazu zu zwingen den Islam anzunehmen. Weiterhin heißt es in Kapitel 10, Vers 100 des Heiligen Koran, dass Allah der Allmächtige zwar die Macht besitzt die Menschheit zu zwingen, den Islam zu akzeptieren, Er dennoch den freien Willen erlaubt hat und Er wünscht, dass die Menschen ihren eigenen Weg vollkommen unabhängig und frei von jeglichem Zwang wählen.

Daher ist der eine Gott, den wir anbeten, nicht grausam, noch fordert Er die gesamte Menschheit dazu auf, sich Ihm zuzuwenden; vielmehr ist Er das höchste Wesen, welches festgelegt hat, dass jeder die Freiheit besitzt zu glauben, was er will. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Muslime ihre Religion nicht verkünden sollten. Im Gegenteil, Allah der Allmächtige hat die Muslime dazu aufgerufen, die Botschaft des Islam anderen zu verkünden, aber eine solche Verkündigung sollte friedfertig und im Geist der Toleranz und des gegenseitigen Respekts stattfinden. Kapitel 18, Vers 30 des Heiligen Koran zufolge ist es die Aufgabe eines Muslims die Menschheit zu informieren, dass der Islam eine Wahrheit von Gott ist und wer auch immer wünscht ihn anzunehmen oder auch abzulehnen, darin vollkommen frei ist. Mit diesem Geist versuchen wir, friedfertig die wahren Lehren des Islam zu verbreiten und die Menschheit dazu einzuladen Allah den Allmächtigen zu erkennen. Wir versuchen, die Herzen der Menschen durch Güte und Mitgefühl zu gewinnen.

Weiter heißt es in Kapitel 10, Vers 26 des Heiligen Koran: „Und Allah ruft zur Stätte des Friedens ….“

Dieser Vers bekräftigt, dass alle Menschen frei sind, die Lehren des Islam anzunehmen oder abzulehnen, und zeigt auf, dass Allah die Menschheit zum Frieden und zur Sicherheit einlädt. Wenn selbst Allah die Menschheit zur Stätte des Friedens einlädt, dann ist es für die Muslime umso stärker bindend, selbst Frieden auszustrahlen und Sicherheit für die gesamte Menschheit zu sein.

Ich habe einige Passagen aus dem Heiligen Koran zitiert, die den Gedanken, dass der Islam – Gott bewahre – eine Religion sei, welche die Rechte von Nicht-Muslimen untergrabe oder den Frieden und das Wohlergehen der Gesellschaft zerstöre, vollkommen widerlegen. Aus Kapitel 28, Vers 58 des Koran wird auch deutlich, dass der wahre Islam immer friedlich verkündet wurde. Und es ist nichts Neues, was wir behaupten. Dieser Vers bezieht sich nämlich auf jene Menschen, die zwar die Botschaft des Islam während der Zeit des Heiligen Propheten Muhammad(SAW) erhielten, aber beschlossen, sie abzulehnen. Ihre Ablehnung gründete zudem nicht auf spirituellen Erwägungen, sondern materiellem Interesse, und sie selbst bestätigten, dass sie den Islam nicht annahmen, da sie fürchteten aus ihren Ländern verbannt oder vom eigenen Volk boykottiert zu werden. Sie fürchteten sich nicht vor Muslimen, da sie selbst die gütigen Lehren des Islam erlebt hatten, vielmehr hatten sie Angst vor ihren eigenen Herrschern und dem Volk.

Dies beweist, dass der Gründer(SAW) des Islam und Seine Gefolgsleute immer versuchten, die Botschaft des Islam friedvoll zu verbreiten und nie zu irgendeiner Form von Aggression oder Einschüchterung griffen, um ihren Glauben zu verbreiten. Es beweist, dass der vom Heiligen Propheten Muhammad(SAW) gelehrte und praktizierte Islam keine extremistische oder gewaltbereite Lehre war. Den Menschen stand es frei, den Islam abzulehnen, ohne irgendeine Art von Bestrafung zu befürchten. Falls sie vor irgendjemanden Angst hatten, dann waren es ihre eigenen nicht-muslimischen Anführer und Stämme, die einen Übertritt zu der Friedenslehre des Islam nicht tolerierten.

Lassen Sie mich an dieser Stelle auf das unvergleichliche Beispiel des Heiligen Propheten Muhammad(SAW) zum Zeitpunkt des Siegs über Mekka eingehen. Mekka war die Heimatstadt der Propheten(SAW) des Islam, aber nach seinem Anspruch ein Prophet zu sein, mussten er(SAW) und seine Gefolgsleute für 13 Jahre brutale Verfolgung durch das eigene Volk erleben. Muslime wurden getötet, beraubt und gefoltert. Der Heilige Prophet(SAW) selbst wurde angegriffen, ebenso seine Freunde und Verwandten. Schließlich wurden sie aus ihren Häusern vertrieben und mussten auswandern. Als der Heilige Prophet(SAW) letzten Endes siegreich nach Mekka zurückkehrte und die ganze Stadt unter seiner Macht war, ließ er als Erstes verkünden, dass keine Rache an jenen verübt werden würde, die Muslime jahrelang brutal verfolgt hatten. Im Moment seines größten Triumphes zeigte der Heilige Prophet(SAW) die höchste Bescheidenheit und Nachsicht, indem er(SAW) gemäß den friedfertigen Lehren des Islam erklärte, allen einstigen Verfolgern von Muslimen unverzüglich zu vergeben.

Mit Blick auf das, was ich Ihnen vorgestellt habe, hoffe und bete ich, dass die Menschen den Islam nicht aufgrund von vagen Behauptungen als eine Religion der Gewalt betrachten, sondern ihren Kopf benutzen, die Fakten heranziehen und ehrlich reflektieren werden. Dann werden sie folgerichtig erkennen, dass die im Namen des Islams begangenen Schandtaten mit den ursprünglichen Lehren nichts zu tun haben. Es ist nicht fair, den Islam oder eine andere Religion für Taten verantwortlich zu machen, die mit ihren ursprünglichen Lehren kollidieren. So werden beispielsweise die meisten Waffen weltweit in christlichen Ländern produziert. Diese werden dann in brutalen Konflikten weltweit dafür genutzt, unschuldige Menschen zu töten. Heißt es nun, dass das Christentum in sich ein Übel ist und schuld an dem schrecklichen Rüstungswettlauf ist? Gewiss nicht.

Wie eingangs erwähnt glaube ich nicht daran, dass Muslime allein für die Unruhen in der Welt verantwortlich sind. Erlauben Sie mir nun dies konkreter zu erklären. Wir alle kennen die schrecklichen Folgen der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert, in denen Millionen und Abermillionen Menschen getötet wurden und das Leben von unzähligen Menschen zerstört wurde. Diese Weltkriege gelten als die dunkelsten Momente der Weltgeschichte, und daher ist es umso bedauerlicher, dass die Weltgemeinschaft nicht aus den Fehlern der Vergangenheit lernt und sich wieder auf einen schrecklichen Abgrund zubewegt.

Anstatt nach Frieden mit Dialog, Verständnis und gegenseitigem Respekt zu streben, haben die Weltmächte versucht, Frieden durch Einschüchterung, Angst und Entwicklung von solchen Waffen herbeizuführen, die das Potenzial haben, die ganze Welt mehrfach zu zerstören. Trotz der dokumentierten furchtbaren Zerstörung durch den Einsatz der amerikanischen Atombomben in Japan, hat eine Reihe von Ländern, darunter auch die USA, ihre Waffen weiterentwickelt und leistungsfähiger gemacht, ohne an die schrecklichen Folgen zu denken.

Von den neun Ländern, die Atomwaffen besitzen, ist nur Pakistan ein muslimisches Land. Daher kann nicht gesagt werden, dass die muslimische Welt das Zentrum dieser tödlichen Waffen sei, welche die größte Bedrohung für die Menschheit darstellen. Wie eingangs erwähnt sind die in der muslimischen Welt verwendeten Waffen überwiegend in der nicht-muslimischen Welt produziert worden. Es stellt sich hier die Frage, warum nicht-muslimische Nationen nach Frieden in der muslimischen Welt rufen, gleichzeitig aber dieselben Konflikte durch Waffenlieferungen weiter anheizen.

Während einige gute Maßnahmen und Strategien von bestimmten Regierungen oder Institutionen angestoßen wurden, die einen positiven Effekt haben könnten, wurden sie leider kompromittiert. Die Weltgemeinschaft hat in den letzten 70 oder mehr Jahren versucht, Frieden mit Einschüchterung und Abschreckung zu etablieren, wobei Nationen auch versuchen, dies durch die Entwicklung noch tödlicher Waffen zu erlangen. Auch wenn Gegenteiliges behauptet wird, kann ein solches Vorgehen nicht zu einem dauerhaften Frieden beitragen, weil immerzu möglich ist, dass eine Partei den „Knopf“ drückt und so ein nie gesehenes Leid auslöst. Eine Friedenssicherung ist nicht durch eine sogenannte größtmögliche Abschreckung zu erreichen. Wir Ahmadi-Muslime glauben daran, dass es nur einen Pfad gibt, um dauerhaften Frieden sicherzustellen – und das ist der Pfad Gottes.

Es ist nun Zeit, dass die Menschheit ihren Schöpfer erkennt und Gott, den Allmächtigen, als den Herrn der Welt akzeptiert. Er allein sorgt für uns und ist unser aller Schöpfer. Ist es dann nicht auch Sein Recht, dass wir uns an Ihn wenden, uns vor Ihm niederwerfen, und Seine Nähe suchen? Solange die Welt nur daran ist, ihren Wohlstand und ihre Macht zu maximieren, werden wir keinen wahren Frieden entstehen sehen. Es ist diese Bestrebung nach mehr Macht und der Versuch den anderen ihre Rechte zu verwehren, dass Konflikte in der Welt sich weiter ausbreiten.

Erst kürzlich erklärte ein ehemaliger Spitzenpolitiker der USA, dass die vollständige Eliminierung der Terrororganisation IS in Syrien nicht im Interesse der Vereinigten Staaten stünde. Es sei für den Westen strategisch vorteilhafter, wenn eine kleine Präsenz dieser teuflischen Organisation übrig bliebe. Ein derartiges Denken kann ein weiser und friedliebender Mensch niemals gutheißen oder tolerieren. Einerseits ruft die westliche Welt dazu auf, alle Erscheinungsformen des Terrors zu bekämpfen und Frieden herzustellen, andererseits befürchten einige Elemente unter ihnen, die eigene Vormachtstellung in dieser Region zu verlieren, wenn dort vollkommener Frieden einziehen würde. Derartige Vorgehensweisen sind heuchlerisch und führen zu einer instabilen Welt.

Wie bereits erwähnt, haben westliche Nationen und Waffenproduzenten ein großes wirtschaftliches Interesse daran, dass Konflikte in der muslimischen Welt weiter fortbestehen. Eine solche einäugige und egoistische Strategie ist nur zu bedauern, denn sie kann den Weltfrieden nur noch mehr zerstören. Im starken Kontrast dazu lehrt der Islam auf allen Ebenen der Gesellschaft Frieden zu schaffen. Der Schlüssel zum Frieden liegt nach dem Islam in der absoluten Gerechtigkeit. Fairness und Gerechtigkeit bilden die Grundlage für den Frieden. Dieses Prinzip wird so sehr betont, dass von Personen und Nationen verlangt wird, sogar gegen sich selbst auszusagen, wenn es darauf ankommt Wahrheit und Gerechtigkeit herzustellen. Wahrer Frieden kann also nicht existieren – auch im individuellen Leben, in der Stadt oder auf nationaler und internationaler Ebene – wenn ihr absoluter Wert, Gerechtigkeit, wegbleibt.

Nun möchte ich in aller Kürze auch auf diejenigen eingehen, die fragen, warum im Frühislam Kriege geführt wurden. In Kapitel 22, Vers 40 und 41 des Heiligen Koran erteilte Allah, der Allmächtige, den Muslimen erstmals die Erlaubnis, sich zu verteidigen. Diese Verse machen deutlich, dass die Erlaubnis nicht erteilt wurde, um Land zu erobern, sondern deshalb erteilt wurde, um Ungerechtigkeit zu bekämpfen und um das universelle Prinzip der Religionsfreiheit zu schützen. Noch bevor die Muslime aufgefordert wurden, ihre Moscheen zu beschützen, wurden sie im Vers 41 angehalten Kirchen, Klöster, Synagogen und Gebetshäuser aller Religionen zu schützen. Ferner setzt der Vers 194, Kapitel 2 des Heiligen Koran einen sehr engen Rahmen für Verteidigungskriege. In ihnen muss es immer darum gehen, Grausamkeit, Verfolgung und Unterdrückung zu beenden.

Kampfhandlungen müssen sofort eingestellt werden, wenn die Situation sich beruhigt hat und Menschen wieder in Frieden ihrem Leben nachgehen können. Weiterhin besagt der Vers, dass nur die Aggressoren gezielt bekämpft werden dürfen, ohne unschuldige Menschen dabei zu gefährden. Kollateralschäden, wie sie leider in den Kriegen heutzutage vorkommen, dürfen nicht entstehen. Immer, wenn der Islam eine Form von Gewalt legitimiert, dann nur um eine Unterdrückung oder Aggression zu stoppen, nicht um Gebiete zu erobern. Provokationen gegenüber anderen ist ein weiterer Tatbestand, der im Islam sehr ernst genommen wird. Daher ist nach dem Heiligen Koran Unruhestiftung, die zwischen den Völkern Hass und Groll entstehen lässt, ein noch größeres Verbrechen als Mord.

Die Wahrheit also ist, dass der Islam versucht, die Unterschiede zwischen den Menschen zu überbrücken und sie unter dem Schirm des Friedens, der Liebe und der Harmonie zu einen. Der Heilige Prophet Muhammad(SAW) lehrte, dass ein wahrer Muslim eine Person ist, vor deren Zunge und Hand die Mitmenschen sicher sind. Anderen Schmerzen oder Kummer, ganz gleich, in welcher Intensität, zu bereiten, ist gemäß dem Islam eine Sünde.

Abschließend möchte ich erneut bekräftigen, dass die Lehren des Islam völlig friedfertig sind und dazu dienen, allen Menschen Sicherheit zu geben. Es besteht daher kein Anlass, sich vor dem Islam zu fürchten. Ich hoffe, Sie werden mir zustimmen, dass diejenigen, die den Islam als eine gewalttätige und intolerante Religion darstellen, hier selbst ungerecht vorgehen.

Mit diesen Worten möchte ich noch Ihnen allen für die Teilnahme an der Jalsa Salana und dafür, dass Sie sich Zeit genommen haben mir zuzuhören, danken.

Möge Allah Sie alle segnen.

Vielen Dank.«