Ahmadiyya

In der heutigen religiösen Welt spielt die Ahmadiyya Muslim Jamaat eine einzigartige Rolle.

1889 in Indien gegründet, stellt sie mit ihren vielen zehn Millionen Mitgliedern in über 204 Ländern weltweit die größte Gemeinschaft unter den organisierten Muslimen dar. In den einzelnen islamischen Staaten ist sie dennoch eine Minderheit. Gleichzeitig ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat, die sich ausschließlich durch Spenden ihrer Mitglieder finanziert, die am schnellsten wachsende islamische Reformbewegung unserer Zeit. Ihr Hauptsitz befindet sich aktuell in London, Großbritannien.

Sie ist die einzige islamische Bewegung, die mittlerweile seit mehr als 100 Jahren von einem rein spirituellen Khilafat geleitet wird. Der Kalif der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Seine Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (möge Allah sein Helfer sein), ist damit das weltweit wichtigste muslimische Oberhaupt.

Unter dem Vorsitz ihres Kalifen, der auf demokratische Art gewählt wird, tritt sie ein für die ursprünglichen Werte des Islam:

Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen, absolute Gerechtigkeit, Gleichwertigkeit von Frau und Mann, Trennung von Religion und Staat, Beendigung gewalttätiger Aktionen im Namen der Religion sowie die Menschenrechte, wie sie im Koran festgelegt worden sind.

Aufgrund ihrer zeitgemäßen Interpretation des Islam wird die Ahmadiyya Muslim Jamaat von vielen orthodoxen Muslimen als häretisch gebrandmarkt und in fast allen islamischen Ländern verfolgt. Die muslimischen Geistlichen sehen in ihr die größte Gefährdung ihrer bestehenden Machtstrukturen, so dass die Ahmadiyya Muslim Jamaat heute die am meisten verfolgte islamische Gemeinde der Welt ist.

Dagegen setzt sich die Ahmadiyya Muslim Jamaat für die Freiheit des Glaubens ein, denn im Heiligen Koran heißt es:

„Es soll kein Zwang sein im Glauben!“ (2:257)

Das von der Ahmadiyya Muslim Jamaat weltweit propagierte Motto lautet:

„Love for All, Hatred for None“- „Liebe für Alle, Hass für Keinen!“

Repräsentation des wahren Islam

Islam und Ahmadiyya sind Synonyme, also ein und dasselbe. Demnach ist sie keine Abspaltung innerhalb des Islam, sondern stellt vielmehr die Renaissance des tatsächlichen Islam dar.
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist eine islamische Reformgemeinde von rein spirituellem Charakter. Für sie lehrt der Islam im Kern zwei Dinge: Den Weg zu Gott zu finden und Seiner Schöpfung zu dienen.

Ein anderes Hauptanliegen besteht darin, den zeitgenössischen Islam von Aberglauben und Irrtümern zu reinigen und den Menschen jenen ausschließlich friedliebenden und toleranten Islam näherzubringen, der zu Zeiten des Religionsstifters Muhammad (saw) gelehrt und praktiziert wurde.

Die Lehre der Ahmadiyya Muslim Jamaat basiert – wie bei allen anderen Muslimen – auf dem Heiligen Koran, der Sunna (Praxis des Heiligen Propheten Muhammad (saw)) und den Hadith (Überlieferungen des Heiligen Propheten Muhammad (saw)).

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat betrachtet den Koran als Wort Gottes, das die Menschen führt und leitet, und den Heiligen Propheten Muhammad (saw) als vollkommene Verkörperung der islamischen Lehren, dessen Beispiel (Sunna) jeder Muslim nacheifern soll. Die Ahadith sind eine Quelle der Rechtleitung und sind zu befolgen, sofern sie nicht den Koran und der Sunna widersprechen.

Weiterhin hält die Ahmadiyya Muslim Jamaat unabänderlich an die fünf Grundpfeiler des Islam fest:
Zeugnis, dass niemand anbetungswürdig ist außer Allah und Muhammad der Gesandte Allahs ist (Schahada bzw. Kalima), die täglichen Gebete (Salaat), das Fasten im Monat Ramadan (Saum), die Armensteuer (Zakaat) und die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch). (Bukhari)

Das gleiche gilt für die sechs Glaubensartikel des Islam:
Glaube an Allah, Glaube an die Engel Allahs, Glaube an die von Allah offenbarten Bücher, Glaube an die Gesandten Allahs, Glaube an den Jüngsten Tag, Glaube an das Vorauswissen Allahs und an ein Leben nach dem Tod.

Ferner ist der Glaube an den Heiligen Propheten Muhammad (saw) als Khatam un Nabiyyin (Siegel der Propheten) und an den Heiligen Koran als das letzte gesetzbringende Buch ein fester Glaubensbestandteil der Ahmadiyya Muslim Jamaat.

Die 10 Bedingungen des Baiat (Treuegelöbnis)

Baiat ist das Treuegelöbnis beim Eintritt in die Ahmadiyya Muslim Jamaat. Dieses Gelübde wird an der Hand des Khalifen der jeweiligen Zeit abgelegt. Darüber hinaus wird eine schriftliche Bestätigung unterzeichnet, in der man zustimmt, als zukünftiges Mitglied der Ahmadiyya Muslim Jamaat folgende zehn Bedingungen einzuhalten:

I. Der/Die Bai’at-Leistende soll ernsthaft versprechen, dass er/sie sich des Schirk (Gleichstellung eines anderen Wesens mit Gott) enthalten wird bis zu dem Zeitpunkt, wenn er/sie ins Grab herabsteigt;

II. Dass er/sie sich fernhalten wird von Lüge, Unzucht, Ehebruch, Versündigung der Augen und jeder Art von Morallosigkeit und Unsittlichkeit, Unrecht, Veruntreuung, Unruhe und Rebellion; und dass er/sie sich selbst nicht erlauben wird, von Erregungen mitgerissen zu werden, wie stark sie auch immer sein mögen;

III. Dass er/sie regelmäßig die fünf täglichen Gebete in Übereinstimmung mit den Geboten Gottes und denen des Heiligen Prophetensaw darbringen wird; und dass er/sie sich nach besten Kräften bemühen wird, regelmäßig Tahajjud (zusätzliches Nachtgebet zwischen Mitternacht und der Morgendämmerung) darzubringen und Segensgebete für den Heiligen Prophetensaw zu sprechen; dass er/sie es sich zur täglichen Gewohnheit machen wird, um Vergebung für seine/ihre Sünden zu bitten; und dass er/sie sich aus tiefster Liebe heraus jeden Tag der Wohltaten Gottes erinnern und Ihn lobpreisen und verherrlichen wird;

IV. Dass er/sie sich von den Leidenschaften seines/ihres eigenen Egos nicht dazu verleiten lassen wird, den Geschöpfen Allahs im Allgemeinen und den Muslimen im Besonderen irgendeinen Schaden zuzufügen – sei es durch seine/ihre Zunge, seine/ihre Hand oder auf irgendeine andere Art;

V. Dass er/sie Gott unter allen Lebensumständen treu bleiben wird, in Sorgen und in Freuden, in Unglück und in Wohlergehen, in Gnadenfülle und in harten Prüfungen; und dass er/sie unter allen Bedingungen dem Ratschluss Allahs ergeben bleiben wird und sich selbst bereithalten wird, allen möglichen Beleidigungen und Leiden auf Seinem Wege mutig gegenüberzutreten und dass er/sie sich niemals von diesem Wege abwenden wird, sei die Intensität irgendeines Unglücks auch noch so heftig; im Gegenteil, er/sie wird vorwärts schreiten;

VI. Dass er/sie (nicht-islamische) Gebräuche und die Befolgung seiner/ihrer niederen Gelüste aufgeben wird, und dass er/sie sich selbst vollkommen der Autorität des Heiligen Koran unterwerfen wird, und dass er/sie das Wort Gottes und die Aussprüche des Heiligen Prophetensaw zu den bestimmenden Grundsätzen auf jedem Schritt seines/ihres Lebensweges machen wird;

VII. Dass er/sie Stolz und Eitelkeit völlig aufgeben wird und sein/ihr ganzes Leben in Bescheidenheit, Demut, Freundlichkeit, Milde und Genügsamkeit verbringen wird;

VIII. Dass er/sie den Glauben, die Hochschätzung des Glaubens und die Sache des Islam für sich kostbarer erachten wird als das eigene Leben, den eigenen Reichtum, das eigene Ansehen, die eigenen Kinder und alle anderen liebenswerten Dinge;

IX. Dass er/sie sich nur um Allahs Willen dem Dienst an Allahs Geschöpfen widmen wird; und dass er/sie sich bemühen wird, der Menschheit zu nützen nach dem besten seiner/ihrer ihm/ihr von Gott gegebenen Fähigkeiten und Kräfte;

X. Dass er/sie den Bund der Brüderlichkeit mit diesem Demütigen allein um Allahs willen mit dem Versprechen der Gehorsamkeit in allem Guten eingehen und sich verpflichten wird, diesem Bund treu zu bleiben bis zum Tage seines/ihres Todes; und dass er/sie sich mit einer solchen Hingabe für die Einhaltung dieses Bundes einsetzen wird, wie sie in weltlichen Verwandtschaften und Beziehungen und jeglicher Art von Untergebenenpositionen nicht zu finden ist.